John Banville

Schatten der Gondeln

Roman
Cover: Schatten der Gondeln
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN 9783462008289
Gebunden, 384 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Elke Link. 1899. Als das neue Jahrhundert anbricht, heiratet der englische Schriftsteller Evelyn Dolman - ein Schreiberling, wie er selbst sagt - Laura Rensselaer, die Tochter eines amerikanischen Ölmagnaten. Evelyn hofft, dass er und Laura ein beträchtliches Vermögen erben werden und so ein bequemes, geregeltes Leben führen können. Doch seine Hoffnungen werden enttäuscht, als ein mysteriöses Zerwürfnis zwischen Laura und ihrem Vater, kurz vor dem Tod des Patriarchen, zu ihrer Enterbung führt.Das unglückliche Ehepaar reist nach Venedig, um das neue Jahr im Palazzo Dioscuri zu feiern, dem Stammsitz des charmanten, aber zwielichtigen Grafen Barbarigo. Von der ersten Minute an häufen sich im Palazzo unerklärbare und unheimliche Ereignisse. Evelyns ohnehin schon strapazierte Nerven liegen blank: Könnte es am Nebel liegen, der die schwimmende Stadt umhüllt, oder verliert er den Verstand?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.12.2025

Die Kanäle des winterlichen Venedigs im Dezember 1899 werden in den Händen des 80-jährigen, irischen Autors John Banville selbst zu spannenden Krimi-Wendungen, staunt Rezensentin Sylvia Staude. Der unsympathische Misanthrop Evelyn Dolman ist mit seiner frisch vermählten Ehefrau Laura nach Venedig gereist, um die bereits vor sich hin stagnierende Ehe zu retten, resümiert die Rezensentin. Die Hoffnung auf das reiche Erbe, das Laura von ihrem Vater bekommen sollte, geht aufgrund eines Konflikts allerdings an die unverheiratete Schwester, was Dolmans Hass auf die Welt weiter steigert. Nachdem er sich in einem Café in die Künstlerin Francesca verliebt und seine Frau am nächsten Morgen spurlos verschwindet, nimmt die Krimihandlung an Fahrt auf, freut sich die Kritikerin. Selten ist man einem Unsympathen so nahe gekommen wie in dieser spannenden Geschichte, schließt die angetanen Kritikerin. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.12.2025

Rezensent Nico Bleutge bespricht John Banvilles neuen Roman über weite Strecken freundlich, endet jedoch auf einer kritischen Note. Wir befinden uns im Venedig des fin de siècle, die Hauptfigur Evelyn ist ein Schriftsteller, der sich mit seiner Frau Laura in der Lagunenstadt aufhält und da in eine mysteriöse Geschichte hinein gerät, die mit einem Traumbild Evelyns zu tun hat. James Bond und Patricia Highsmith sind zwei Bezugspunkte, die Bleutge in Banvilles Buch identifiziert, insgesamt bleibt der Autor diesmal mehr an der ironiegetränkten Oberfläche als in älteren Werken und konzentriert sich vor allem auf Suspense-Mechanismen. Die durchaus gut vor sich hin schnurren, gesteht Bleutge ein, dem das alles aber am Ende allerdings doch zu sauber aufgeht und auf eine allzu banale Pointe zuläuft - anders als Banville selbst insinuiert, hat der Autor seinem Venedig das Mysterium doch ziemlich gründlich ausgetrieben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2025

Rezensent Jan Wilm ist nahezu vollumfänglich begeistert von diesem Venedig-Roman des irischen Schriftstellers. Es ist primär eine Sprache des Hasses, die der Autor seinem Protagonisten Evelyn Dolman in den Mund legt, schmunzelt der Kritiker. Dolman, ein Schriftsteller, der an einer Biographie über seinen verstorbenen Schwiegervater arbeiten möchte, ist mit seiner reichen, frisch verheirateten Ehefrau Laura zur Hochzeitsreise nach Venedig gekommen. Dort erkennen beide, dass sie herzlich wenig miteinander anfangen können, stattdessen verliebt sich Dolman in einem Café in die mittellose Bildhauerin Francesca. So konventionell dieser und andere Handlungsstränge auch anmuten - sie werden in eine Sprache gepackt, für die Wilm nur das Wort "meisterlich" aufbringen kann. So lässt der Kritiker als Vergleichsgrößen auch nur Giganten der Literatur auftreten: Es herrscht eine "Nabokovsche Sprachpracht", ein an Patricia Highsmith erinnernder Fokus auf Paranoia und ein Gespür für die Dunkelheit der menschlichen Seele, das Wilm an Dostojewski denken lässt. Ein irrwitziger Venedig-Trip, jubelt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2025

Der bedeutendste Roman von John Banville ist das wahrscheinlich nicht, denkt Rezensent Adam Soboczynski, der den irischen Autor zum Gespräch getroffen hat, eher "eine Fingerübung". Wieder mit starkem Bezug zu Henry James, entfaltet Banville einen komplexen Plot um den Schriftsteller Evelyn Dolman (einen "ekelerregenden Charakter"), dessen Frau bei einem Venedig-Aufenthalt verschwindet. "Halbseidene Grafen, britische Parvenüs", Wasserleichen und "ein linkischer Kommissar" geistern durch diese Geschichte, erklärt Soboczynski, und: echte Gespenster gibt es sogar auch. Das Ganze bewegt sich zwischen Krimi und Schauerroman, erklärt der Kritiker, und am Ende schafft es Banville dann doch, alle Rätsel aufzulösen. Dennoch vielleicht ein etwas zu offensichtliches "Remake" der Schauerliteratur aus dem 19. Jahrhundert, überlegt Soboczynski.

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