Aus dem Amerikanischen von Matthias Müller. Auf Anraten seines Nervenarztes nimmt Jacob Horner eine Stellung als Grammatiklehrer an einem kleinen College an der Ostküste an. Horner leidet unter Anfällen von physischer Immobilität, und ein geregelter Lebenswandel soll seinem labilen Gesundheitszustand entgegenwirken. Am College freundet er sich mit Joe Morgan und dessen Frau Rennie an, mit der er prompt ein Verhältnis eingeht. Als Rennie schwanger wird und keiner weiß, von wem das Kind stammt, beginnt ein Verwirrspiel mit fatalen Folgen ... John Barths Roman "Tage ohne Wetter" ist eine absurde Komödie über das universelle Drama des Lebens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.04.2003
Ein "antiquierter Roman" ist dieser erstmals vor 45 Jahren erschienene Roman des Amerikaners John Barthes nach Meinung des Rezensenten Thomas Laux. Er erzählt in seiner Rezensionen recht ausführlich die Handlung des Romans nach, um darin nach Indizien zu suchen, die bestätigen, dass es sich bei dem Autor um "einen der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Vertreter der amerikanischen Postmoderne" handelt. Bei der Suche wird er allerdings nicht fündig, lediglich "die ironische Brechung des Plots und der unfixierte Schwebezustand verhandelter Ethikpositionen weist darauf hin". Dafür passt eine andere Klassifikation nach Laux' Meinung recht gut, nämlich die des "existenzialistischen Romans", in dem "von der Philosophie gestiftete Moraldiskussionen" in der Literatur aufgegriffen und verhandelt werden. Dadurch wird für den Rezensenten deutlich, dass wir in einer "eher postmoralischen Zeit" leben - insofern vermittelt dieser "antiquierte Roman" doch durchaus interessante Perspektiven.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.03.2003
John Barth' Roman "Tage ohne Wetter", im Original bereits 1958 unter dem Titel "The End of the Road" erschienen, erinnert Rezensent Thomas Wild stark an Max Frischs "Stiller". Wie bei Frisch steht nach Auskunft Wilds auch bei Barth ein Ich-Erzähler im Mittelpunkt, der permanent die Grundlagen seines eigenen Lebens reflektiert, die Wahrnehmung seiner Mitmenschen beobachtet, die Welt als Maskenspiel erkennt und angesichts der unendlichen Vielfalt möglicher Rollen entscheidungsunfähig zu erstarren droht. "Die moderne Spielart dieser existentiellen Skepsis inszeniert primär das Leiden an der Unmöglichkeit eines in sich stimmigen, zielgerichteten Lebens und Erzählens", erklärt Wild, "die postmoderne Spielart dagegen zelebriert die Unstimmig- und Ziellosigkeit als neue bodenlose Grundlage für Leben und Literatur." Barth' Roman habe von beidem etwas, hält Wild fest. Zum Bedauern von Wild lässt der Roman nach den ersten Kapiteln, die durch "humorvollen Scharfsinn" und "muntere Ironie" glänzen, etwas nach. Ein großes Lob geht dagegen an Matthias Müller für seine "sehr gelungene Übersetzung".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2003
Thomas Leuchtenmüller hat diesen Roman, der erstmals 1958 erschien und nun in einer neuen deutschen Übersetzung vorliegt, mit Amüsement und Interesse gelesen. Der amerikanische Autor lasse in der "übersichtlichen Handlung" - ein Collegeprofessor fängt eine Affäre mit der Frau seines Kollegen an, die schwanger wird - "existentialistische Grundsatzdiskussionen" von den Protagonisten ausfechten, fasst der Rezensent zusammen. Während der betrogene Ehemann die existenzialistische Position Sartres vertritt, die in allen Handlungen eine "eindeutige Haltung" verlangt, zeigt sich die Hauptfigur als Nihilist. Dies sei meist "spannend", manchmal allerdings auch "ermüdend", räumt Leuchtenmüller ein. Insgesamt aber enthält der Roman für ihn eine gelungene Mischung aus sehr komischen und ernsthaften Passagen und er sieht in ihm viele spätere literarische Strömungen von T. C. Boyle bis Donald Margulies "vorweggenommen". Die Übersetzung ins Deutsche lobt der Rezensent insgesamt als "einfühlsam", lediglich in der Übertragung einiger umgangssprachlicher Wendungen beklagt er "kleine Unsicherheiten".
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