Herausgegeben von Matthias Lutz-Bachmann, Alexander Fidora und Andreas Niederberger. Übersetzt und eingeleitet von Dorothee Werner. John Blund (ca. 1175-1248) war Magister der Theologie an der Universität Oxford und ab 1234 Kanzler der Kathedrale von York. Die für die Philosophie, insbesondere die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie des Mittelalters zentrale Schrift des Aristoteles "De anima" wird von John Blund unter Rückgriff auf Avicenna systematisch interpretiert. Der hier übersetzte Text ist damit ein frühes Dokument der Rezeption und Interpretation der Erkenntnislehre des Aristoteles, aber vor allem auch des wachsenden Interesses an naturphilosophischen Fragen an den (englischen) Universitäten des lateinischsprachigen Mittelalters.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2006
John Blunds "Tractatus de anima", als Band 6 in "Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters" in einer lateinisch-deutschen Ausgabe erschienen, dokumentiert für Kurt Flasch die "erste ruhige Phase des Eindringens der griechisch-arabischen Wissenschaft in den Westen". Blunds Abhandlung über die Seele basiert nach Darstellung Flaschs auf Avicennas philosophischer Psychologie. Er liest den vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstandenen Text als frühen Versuch des christlichen Westens, das arabische Denken zu integrieren. Die Übersetzerin Dorothee Werner lobt er für ihre "hervorragende Einleitung", die einen Überblick über die Entwicklung der philosophischen Seelenlehre bis etwa 1250 gibt. Generell hält Flasch die bisher vorliegenden Bände aus Herders neuer Reihe für recht gelungen. Er äußert sich positiv über ihre Qualität und bescheinigt ihr Vielseitigkeit sowie eine gute Ausstattung. Besonders wichtig erscheint ihm, dass sie dem Leser ein "neues Bild der Philosophie des Mittelalters" eröffnet.
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