Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren. In den Romanen "Der 42. Breitengrad" (1930), "1919" (1932) und "Das große Geld" (1936) zeichnet Dos Passos mit sarkastischem Humor und scharfem Auge für soziale Fragen ein unvergessliches Kollektivporträt der USA. Dabei verbindet er das Leben seiner Charaktere und die Zeit, in der sie leben, auf eine raffinierte erzählerische Weise, die diese Trilogie zu einem der lesbarsten modernen Klassiker überhaupt gemacht hat. Seine Protagonisten erleben Kriege und Revolutionen, verzweifelte Liebesaffären, schwere Familienkrisen, öffentliche Triumphe und private Katastrophen vor Kulissen, die unter anderem die Schützengräben des Ersten Weltkriegs, das aufständische Mexiko, Hollywoodstudios in der Stummfilmära, Wall-Street-Büros und die von Tumulten erschütterten Straßen von Boston vor der Exekution von Sacco und Vanzetti umfassen.
Für Eberhard Falcke gehört John Dos Passos' Romantrilogie unbedingt zu den literarischen Gründungsdokumenten der amerikanischen Moderne. Richtig genießen kann er den "spannend-unterhaltsamen" Text, der eine ganze Epoche aus einer Vielzahl von Perspektiven betrachtet, allerdings erst jetzt, in der Neuübersetzung von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl. Wie die Übersetzer Multiperspektivik, Montage und die vielen Textsorten, Redeweisen und Tonlagen im Buch handhaben, scheint Falcke so triftig wie elegant. Der Anmerkungsapparat besticht laut Falcke durch sinnvolle Beschränkung und Information.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2020
Rezensent Thomas David schwelgt in der USA-Trilogie von John Dos Passos in der Neuübertragung von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl. Geradezu physisch erlebt er mit dem Autor dessen Erfahrungen und Erlebnisse bei seiner Durchwanderung der USA zwischen 1930 und 1936. Derart plastisch kreuzen die zwölf vom Erzähler begleiteten Figuren durch Zeit und Raum und Zeitgeschichte, dass David den Verzicht auf eine geschlossene Handlung im Buch verschmerzen kann. Die Auflösung des Individuums in der Moderne wird ihm hier deutlich vor Augen geführt. Ein Kaleidoskop, eine auf die US-Gegenwart vorausweisende Polyfonie, eine einzige Zumutung für den Leser, jubelt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2020
Paul Ingendaay hat nichts zu meckern an der Neuübesetzung von John Dos Passos' Trilogie. Im Gegenteil. So viel Coolness hat er bei Dos Passos noch nicht erlebt. Sogar der Umschlag und das Dünndruckpapier machen ihn glücklich, wenn es auch kein fadengeheftetes Buch ist. Und erst der Inhalt! Wer sagt, Dos Passos' Masche der filmischen Verkürzung bei der Betrachtung all der Milieus, Schauplätze, Weltgeschichten und Figuren sei überholt, dem erzählt Ingendaay was. Erfrischend unverstaubt wirkt auf ihn jedenfalls die Verbindung von Historie und Boulevard. Die knappe, pointierte Schreibe des Autors kommt nunmehr glänzend rüber, findet der Rezensent.
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