Wenn Diktatoren stürzen, demontieren die Menschen Standbilder und Büsten, wie im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins oder im Osten Deutschlands nach dem Fall der Mauer. Diese Szenen sind der Beginn einer viele Jahre währenden Aufarbeitung, bei der vor allem die Justiz gefordert ist, für Gerechtigkeit zu sorgen. Jon Elster behandelt historische Beispiele wie die athenische Demokratie, die französische Restauration 1814 / 15, Südafrika nach der Apartheid und die osteuropäischen Staaten nach 1989. Und er liefert einen reich dokumentierten, brillanten Vergleich der beiden deutschen Fälle nach 1945 und nach 1989. Er schildert den Aufbau der so genannten Übergangsjustiz und erklärt, warum in manchen Fällen die Täter hart, in anderen sehr milde bestraft werden, und warum den Opfern mal großzügige, mal gar keine Entschädigungen zugestanden werden. Er beschreibt die Zwänge und Grenzen der Justiz, die Rolle von Emotionen und die Brüche und Kontinuitäten, die in der Politik zu beobachten sind. Nur selten, so sein Fazit, erfolgt freilich ein radikaler Wechsel der politischen Führungsschicht - ein Ergebnis, das zu denken gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2005
Ein wenig zuviel des Guten hat Rezensent Wolfgang Schuller in diesem Buch gefunden, in dem Jon Elster unzählige geschichtliche Beispiele für die juristische und politische Aufarbeitung von Diktaturen präsentiert. Für das zwanzigste Jahrhundert führe der Autor nahezu alle relevanten Ereignisse auf, könne sie aber nicht angemessen behandeln und verliere so vor lauter Einzelheiten den Blick für das Ganze. Lobenswert ist für den Rezensenten wiederum, dass über Justizvorgänge hinaus auch politische Themen wie beispielsweise der Morgenthauplan einbezogen seien. Positiv vermerkt werden auch ein ausführliches Sachregister, die gründliche und geglückte Darstellung der "Beweislast- und Rückwirkungsproblematik" sowie der Opfer -Täter-Thematik. Trotz des fragmentarischen Charakters des Buches und einiger Detailfehler, resümiert der Rezensent, habe Jon Elster eine mit Gewinn zu lesende Studie vorgelegt mit "vielen klugen und weiterführenden Gedanken".
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…