Der Mord an Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 hat die Welt erschüttert. Unruhen erschüttern das Land. Die Wahlen sind verschoben. Und in der westlichen Welt greift die Angst um sich. Könnte sich Pakistan zum eigentlichen Pulverfass der islamischen Welt entwickeln? Was passiert mit dem nuklear aufgerüsteten Land, wenn die Situation dort gänzlich außer Kontrolle gerät? Kann al-Qaida an die Atombombe kommen? Die alten Ängste vor einer islamistischen Bedrohung flackern wieder auf. Wie geht der Westen mit der aufgeheizten Situation um? Und spitzen die USA mit ihrem Plan, in Pakistan stärker die Kontrolle zu übernehmen, die Situation womöglich zu, statt sie zu entschärfen? Jorge Scholz, ausgewiesener Kenner Pakistans und der Region, zeichnet in seinem Buch das Bild eines ethnisch und politisch tief gespaltenen Landes zwischen Tradition und Demokratie, Stammesfürsten und Zivilgesellschaft, Globalisierung und islamischer Revolution. Er macht deutlich, dass Benazir Bhutto als Märtyrerin der Demokratie und die Geschichte ihrer Dynastie untrennbar verwoben sind mit Kultur und Gesellschaft ihres Landes. Er fragt nach der Rolle des Westens für die Entwicklungen der letzten Jahre und warnt nicht zuletzt davor, in der stereotypen Angst vor der islamistischen Gefahr die Fehler der vergangenen Jahre zu wiederholen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2008
Von den beiden Pakistan-Büchern, denen sich der Rezensent mit dem Kürzel "ach" in seiner Besprechung widmet, zieht Jorge Scholz' "Pakistan-Komplex" deutlich mehr Kritik auf sich. Positiv rechnet der Rezensent dem Autor an, auch Pakistans Geschichte heranzuziehen, um die gegenwärtige Lage des Landes zu erklären. Stärker wiegen jedoch die Kritikpunkte: Der Rezensent vermisst Anschaulichkeit, Gewichtung und Kohärenz. Oft reihe Scholz Ansichten einfach aneinander, auch wenn sie sich noch so sehr widersprechen. Und übel nimmt "ach" dem Autor aus, andere Autoren zu kritisieren, ohne es selbst besser zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008
Recht positiv äußert sich Hans-Christian Rößler über Jorge Scholz' Buch "Der Pakistan-Komplex". Er schätzt die "unaufgeregte" Herangehensweise des Autors, für den Pakistan ein komplexes und faszinierendes Land ist. Dessen Kritik an der oft alarmistischen Medienberichterstattung kann Rößler nur teilen. Die Darstellung der Entwicklung des Lands seit seiner Gründung 1947, seiner Konstanten und Konflikte ,hält der Rezensent für klar, anschaulich und profund. Dabei hebt er hervor, dass sich Scholz nicht mit den Taliban, Al Qaida und Militärs, sondern auch mit dem immer noch existierenden Feudalismus und der Rolle des Lands als Energieversorger befasst. Insgesamt trägt das Buch in seinen Augen sehr zum Verständnis auch der jüngeren Entwicklungen Pakistans bei.
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