Frankreich ist zu einem großen Rätsel geworden. Das Sehnsuchtsziel so vieler Künstler, Intellektueller und Liebhaber des Laisser-faire, Traumland des Genusses und Inbegriff der Lebensfreude, politischer Taktgeber und revolutionärer Querdenker - all dies scheint Vergangenheit. Einst radikal in seinem Willen zur gesellschaftlichen Veränderung, ist Frankreich nun ebenso radikal in seiner Verweigerung des Wandels. "Es soll besser werden, aber sich nichts ändern " - niemand lebt diesen Slogan derzeit so konsequent wie Frankreich.
Dieses Buch ist das Porträt eines Landes, das zwischen innerer Erstarrung und revolutionärem Gestus verharrt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 10.10.2017
Lesern, die sich eingehender mit Frankreich auseinandersetzen wollen, empfiehlt Rezensent Claus Leggewie das neue Buch des "SZ"-Korrespondenten und Wahlfranzosen Joseph Hanimann. Ein wenig Vorwissen sollte man schon mitbringen, rät der Kritiker, der sich Hanimanns kultursoziologischer Tiefenbohrung jedoch gern angeschlossen hat. Der Rezensent erfährt hier nicht nur einiges über den französischen Sonderweg und die Angleichung an und die Distinktionsfähigkeit der Franzosen gegenüber den Nachbarländern der europäischen Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten, sondern liest auch interessiert Hanimanns Ausführungen zum Algerienkrieg, der für ihn einer der Hauptgründe für den Terrorismus der dritten Einwanderergeneration aus dem Maghreb darstellt, informiert der Kritiker.
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