Aus dem Amerikanischen von Stephan Kleiner. Osby Caudill lebt in einer Gegend, in der man mehr Kühe als Menschen zu sehen bekommt: in den Blue Ridge Mountains in Virginia. Gemeinsam mit seinem Vater kümmert er sich seit Jahrzehnten um die Angus- und Hereford-Herden. Es ist ein raues, wortkarges Leben, das Josh Weil in Herdentiere mit seiner kraftvollen, beeindruckend suggestiven Sprache beschwört. Ein Leben, das Osby vermutlich niemals infrage gestellt hätte, wenn sich sein Vater nicht eines Nachmittags eine Kugel in den Kopf geschossen hätte. Josh Weil beschreibt die Suche seines Helden nach einem Platz in der Welt mit Sanftheit, Genauigkeit und Lakonie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2010
Anja Hirsch ist hin und weg von diesem Text. Der Autor, jubelt sie, eine Entdeckung. Dabei ist die vorliegende Novelle denkbar amerikanisch, bedient sich Josh Weil aus dem Bilderreservoir der Prärie, Blue Ridge Mountains, Virginia. Hirsch fallen die Waltons ein und John Denver. Dabei bliebe es, beschriebe Weil nicht gnadenlos, wie die Landschaft den Menschen formt, schüfe er nicht Bilder von irritierender Wirkung, führte er die Rezensentin nicht mit so minimalistischer wie sicherer Geste hin auf einen "zähen Zweikampf zwischen Mensch und Tier". Für Hirsch liest sich das wie das "Zerrütungsprotokoll" des Farmerssohnes Osby, verschränkt mit der Derbheit und Melancholie der Gegend.
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