Jost Schneider

Sozialgeschichte des Lesens

Zur historischen Entwicklung und sozialen Differenzierung der literarischen Kommunikation in Deutschland
Cover: Sozialgeschichte des Lesens
Walter de Gruyter Verlag, Berlin - New York 2004
ISBN 9783110178166
Gebunden, 484 Seiten, 49,95 EUR

Klappentext

Das Buch liefert eine neuartige Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Im Sinne einer Gesamtgeschichte der gelesenen Literatur beschreibt es nicht nur die Höhenkammliteratur der Bildungseliten, sondern auch die Repräsentationsliteratur der Führungsschichten, die Unterhaltungsliteratur der Mittelschichten sowie die Kompensationsliteratur der Deklassierten. Jede dieser vier Literaturen hat ihre eigenen Funktionen und ihre eigene Entwicklungsdynamik. Von den herkömmlichen Formen der Literaturgeschichtsschreibung unterscheidet sich diese Literaturgeschichte durch die konsequente Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes der Kultursoziologie, der Leserforschung und der Medienwirkungsanalyse.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2004

Magnus Klaue hat an Jost Schneiders "Sozialgeschichte des Lebens" viel auszusetzen. Schneider glaube, die Grenzen der Epochen und Disziplinen ignorieren zu können, moniert Klaue, und ersetze den angeblich vorbelasteten Epochenbegriff durch den viel allgemeineren Terminus "Zeitalter", was beispielsweise das gesamte Mittelalter zu einer "Episode" degradiere und die Brüche nivelliere. Schneider scheut, bringt Klaue seine Kritik auf den Punkt, jede Systematik und weigere sich zugunsten einer vermeintlichen Wertfreiheit, das 20. Jahrhundert mit einem schichten- und klassenspezifischen Vokabular zu analysieren. Aber die allgemeine Kategorie "Zeitalter" vermag laut Klaue gerade mal einer hierarchisierten Ständegesellschaft gerecht werden, aber zur Beschreibung und Analyse der modernen Gesellschaft reiche sie hinten und vorne nicht. Schichten verwandelten sich einfach in Milieus, was zu einer unguten Mischung von Ökonomie und Lifestyle führe. Es gelte doch gerade die Widersprüche zu erforschen: Warum interessierten sich heute Bildungseliten für Comics und warum werde ein Bildungskanon gerade jetzt populär, fragt Klaue. Dafür müsste Schneider den literarischen Transfer zwischen den Schichten herausarbeiten, statt unterschiedliche Milieus aufzuzählen. So biete Schneiders additiver Ansatz leider bloß das, resümiert Klaue, was er nicht sein wollte: einen reinen Überblick.

Beliebte Bücher

Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Florian Illies. Träume aus Feuer - Der Alchemist von der Pfaueninsel. Bastei Lübbe Verlag, 2026.Florian Illies: Träume aus Feuer
Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…