Das Wort Geist wird heute niemand mehr unbefangen in den Mund nehmen; es klingt so anmaßend wie altertümlich. Einzig die Professionellen der Wissenschaftswelt vertrauen unverdrossen darauf, dass es Geist sei, was sie zur Arbeit treibt. In ihrer Betriebsamkeit gleicht der Geist seinem einstigen Gegensatz, der Zeit: Ihn selbst sieht man nicht, anders als das von ihm Angerichtete... In 80 Miniaturen beschreibt Jürgen Große eine Intellektualität, die nur noch als industriell betriebene Arbeit fortlebt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.03.2013
Das höchste nicht der Gefühle, sondern des Geistes findet Rezensent Burkhard Müller in diesem seltsamen Buch über die Arbeit des Geistes, ein Paradoxon schon, wie Müller findet, denn der Geist arbeitet nicht, er ist überhaupt nicht konkret. Dass der Historiker und Philosoph Jürgen Große sich dennoch seiner annimmt, in kurzen Kapiteln, gleichsam formlos, findet Müller mutig. Schweifend sei die rechte Leseweise für Großes Anordnung, seine satzweise Annäherung an den ephemeren Gegenstand, so Müller, der nicht einmal ein Zitat wagt, derart flüchtig scheint der Geist und geistfeindlich jede Konkretion in diesem Zusammenhang. Lesenswert, meint Müller, ist das allerdings schon.
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