Kein Stein bleibt derzeit in den Hochschulen auf dem anderen, eine Strukturreform jagt die nächste. Von den Abschlüssen über die Bezahlung der Professoren und die Doktorandenausbildung bis zur Organisation der Hochschulleitung - nichts soll bleiben, wie es war. Das Versprechen lautet: internationale Konkurrenzfähigkeit, schnelleres und erfolgreicheres Studieren, bessere Forschung. Soll man das glauben? Aus den Hochschulen selber sind auch andere Töne zu hören. Der Verwaltungsaufwand der Reformen scheint erdrückend, die Verschulung des Studiums droht begabte Studenten fernzuhalten, die Dauerbeschäftigung im Anträge- und Gutachtenschreiben frisst die Zeit für Forschung und Lehre. In acht Essays prüfen Hochschullehrer unterschiedlicher Fakultäten ihre Erfahrungen mit der Hochschulreform, ihren Versprechen und ihrer Wirklichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.10.2009
SZ-Rezensent Thomas Steinfeld begrüßt diesen von seinem FAZ-Kollegen Jürgen Kaube herausgegebenen Band "Die Illusion der Exzellenz", der sich mit den Universitätsreformen im Zuge des Bologna-Prozesses auseinandersetzt. Die Beiträge einer Reihe von Fachwissenschaftlern dokumentieren für ihn das "Unheil", das mit diesen Reformen über die deutschen Universitäten kam. Steinfeld betrachtet die Reformen als gescheitert und sucht dies mit einer Reihe von Beispielen zu belegen. Die mit den Reformen verknüpften Versprechungen wurden in seinen Augen in keiner Weise eingelöst: weder wurden die Studenten mobiler noch wurde ein stärkerer Bezug zur Praxis und zur Arbeitswelt hergestellt, noch sind die neuen Studiengänge international kompatibel geworden. Dem vorliegenden Band bescheinigt er, die verheerenden Folgen der Reformen in "knapper, aber prägnanter" Form vor Augen zu führen. Eine wirkliche Antwort auf die Frage, warum das alles geschah, findet er bei Kaube und den Autoren leider auch nicht.
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