Sommer 1936. Die 15-jährige Reni wird dazu auserwählt, Reichskanzler Hitler bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele pressewirksam einen Blumenstrauß zu überreichen. Reni ist überwältigt - verehrt sie Hitler doch glühend. Der Führer scheint ihr der Inbegriff alles Guten und Gerechten, und nun soll sie - das Waisenkind - ihm von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Doch Reni ist gar kein Waisenkind, sondern die Tochter eines Grafen. Ihr Vater gehört zu den einflussreichsten Kreisen des aufstrebenden Nazi-Regimes und ist fest entschlossen, seine hübsche blonde und blauäugige Tochter künftig vorteilhaft einzusetzen. Reni kann ihr Glück kaum fassen - bis ihr Vater ihr rigoros den Umgang mit den sogenannten "Subjekten" verbietet. Damit meint er zum Beispiel Jockel, den Jungen, in den sich Reni bis über beide Ohren verliebt hat. Verzweifelt versucht Reni zu leugnen, dass in ihrer Welt plötzlich nichts mehr so hoffnungsvoll ist, wie es schien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.02.2010
Dafür, dass der Autor mit seinem Jugendroman ihrer Meinung nach den Weg in die uns bisher noch eher unbekannte "Faschismus-Soap" öffnet, und zwar für Heranwachsende, bleibt Roswitha Budeus-Budde noch ziemlich cool. Wenn wahr ist, was die Rezensentin behauptet, und Jürgen Seidels "süffig" erzählte Geschichte von "Reni"-Aschenputtel aus der Nazizeit, das es durch "glückliche Zufälle" bis zur Defloration durch Hitlers Chefadjutanten Julius Schaub bringt, tatsächlich aus nichts denn aus "schwärmerischen Bildern" und ausufernder Dramatik besteht ... Wenn es also stimmt, dass den jungen Lesern Renis Aufopferung als Lebensglück erscheinen muss, weil der Autor es nicht schafft, Trivialität als Verfremdungseffekt einzusetzen und so ein Nachdenken über ferne Lebensschicksale anzustoßen - dann können wir nur sagen: Das ist ja schauderhaft!
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