Juli Zeh

Über Menschen

Roman
Cover: Über Menschen
Luchterhand Literaturverlag, München 2021
ISBN 9783630876672
Gebunden, 416 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht..

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.04.2021

Rezensent Ronald Düker erkennt das Programm von Juli Zeh auch in ihrem neuen Roman. Einmal mehr schreibe die Autorin gegen den Abbau bürgerlicher Rechte an und verteidige die Freiheit, meint der Kritiker. Erneut führt ihn Zeh ins fiktive brandenburgische Provinznest Bracken, hier an der Seite der vor Corona und ihrem Fridays-for-Future-Freund geflohenen Dora, die in Bracken auf einen Haufen Nazis trifft und bei "Pyro, Bier und geiler Stimmung" die Menschen dahinter erkennt. Wer's mag, wenn es ordentlich menschelt und die "Einfühlung" der Vernunft vorzieht, der wird sich von diesem Roman bestens unterhalten fühlen, schließt der Kritiker süffisant.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2021

Nicht hellauf begeistert, aber doch mit Sympathie bespricht Rezensent Jörg Magenau diesen Folgeroman zu Juli Zehs sagenhaft erfolgreichem Roman "Unter Leuten". Hier arbeitet die Autorin weniger mit Perspektivenwechseln, denn sie lässt hier eine Hauptperson zu, die vor Corona und ihrem Besserwisser-Freund, dem Klimaschützer Robert, mit Hund aufs Land flieht. Dass aus dem "Dorfnazi" fast ein Freund wird, gefällt dem Kritiker durchaus, denn dass die Überwindung plakativer Zuschreibungen zwischen Berlin und Brandenburg, zwischen Stadt und Land überhaupt nottut, findet auch er. Aber was sich daraus an Freundschaft und Wiedereingliederung ergibt, hält er dann wiederum für etwas "schlicht" und geradezu märchenhaft. Immerhin gelingen der Autorin, so der freundlich-milde gestimmte Kritiker, immer wieder "wunderbar witzige und entlarvende Dialoge"- und entlarvt wird nicht selten die Besserwisserei der Städter.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.03.2021

Rezensent Jörg Magenau hat den neuen Roman von Juli Zeh mit viel Sympathie gelesen. Er spielt wieder in dem fiktiven Örtchen Bracken, das man aus Zehs Roman "Unterleuten" kennt, aber diesmal gibt es eine Hauptfigur, Dora, so Magenau. Die ist nach Bracken gezogen, weil ihr die Besserwisserei und das Moralgeprotze der Städter, die in der Coronakrise jubelnd ihre Untergangshoffnungen verwirklicht sehen, auf die Nerven gehen. In Bracken lernt sie, dass auch sie nicht ganz ohne Hochmut den Dörflern gegenüber ist, vor allem, wenn sie Nazisprüche klopfen, erklärt Magenau, der das alles brillant beobachtet findet. Und dem auch die Botschaft gefällt, dass die Welt weniger Ideologie und mehr Menschlichkeit gut vertragen könnte.