Julia Leigh

Der Jäger

Roman
Cover: Der Jäger
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518413227
Gebunden, 208 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem australischen Englischen von Christel Dormagen. Ein Killer, der zur Abwechslung auf Tiere in freier Wildbahn, nicht auf Menschen im Großstadtdschungel angesetzt wird, erhält einen neuen Auftrag. Mit der Sorgfalt des Profis bereitet er seinen Einsatz vor. Fliegt nach Tasmanien, setzt sich ins reservierte Auto und fährt zu einer Farm am Fuß der Hochebene. Die folgenden Wochen wird er in der Höhe mit der geduldigen, systematischen Suche nach dem letzten lebenden Exemplar des ausgerotteten tasmanischen Tigers (Thylacinus cynocephalus), das angeblich gesichtet worden ist, verbringen. Auf das Erbgut ist seine Firma scharf. Als der Mann die Hochebene erreicht, buddelt er Kaffee und einen Kocher ein. Dann beschmiert er sich mit Tierkot, um seinen Eigengeruch zu überdecken. Die Jagd kann beginnen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2002

Der Romanerstling der Australierin Julia Leigh, der 1999 unter dem Titel "The Hunter" erschienen ist, hat den Rezensenten Georg Sütterlin fasziniert. Die Spannung, die bereits der Titel verspricht, löst der Roman voll ein, findet er und verrät, dass auf den Leser neben dem eigentlichen Plot, der Suche nach einem als ausgestorben geltenden Tiger in unwirtlicher Wildnis und was sich hinter dieser Suche verbirgt, noch eine weitere Erzählebene wartet: die Begegnung mit einer Frau, die mit ihren Kindern allein in der Wildnis lebt. Sütterlin lobt den "hypnotisierenden Erzählton", der den Leser gefangen nehme. Was er vermisst, ist psychologische Tiefe beim Protagonisten, auf den die gesamte Geschichte schließlich fokussiert sei. Die faszinierende und befremdliche Welt mit realem Hintergrund, die sich in dem Buch vor ihm eröffnet habe, scheint ihn jedoch dafür zu entschädigen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2002

Ulrich Baron ist tief beeindruckt von diesem Roman, in dem ein Jäger versucht, den letzten Tasmanischen Tiger zu erbeuten, um ihn für viel Geld an einen mächtigen Konzern zu verkaufen. Der Rezensent ist insbesondere von der Figur des namenlosen Jägers fasziniert, der sich auf seiner langen Suche nach dem Tiger wiederholt in einen "Naturmenschen" verwandelt, der sich immer mehr seiner Beute annähert. Das ist, so der Rezensent, mehr als eine "abgegriffene Metapher", er fühlt sich an die Metamorphosen Ovids erinnert. Der begeisterte Baron preist das Buch als "herausragendes Beispiel einer literarische Parallelevolution", darin durchaus dem Tiger ähnlich. Denn obwohl vieles vertraut erscheint, ist es doch "etwas ganz anderes", so der Rezensent hingerissen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.07.2002

Rezensent Jürgen Berger zeigt sich tief beeindruckt von Julia Leighs Roman "Der Jäger". Der zivilisationsmüde Martin David begibt sich darin im Auftrag eines Pharmakonzerns in die australische Wildnis, um den letzten tasmanischen Tiger zu erlegen, trifft am Rande der Wildnis aber zunächst auf eine Frau, die seit dem Verschwinden ihres Mannes mit ihren beiden Kindern in einer Art Dornröschenschlaf dämmert, berichtet Berger. Zwischen "Eros und Thanatos" hin und her geworfen wird der Jäger David bald selbst zum Tier, erklärt Berger. Leigh ist mit ihrem Debüt nicht nur "ein leichter und exakt geschriebener Roman" gelungen, lobt Berger, darüber hinaus sieht er darin auch ein Buch, "das aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen weiterspinnt". Dabei bleibe Leigh immer nah an ihrer Geschichte und überfrachte ihren Jäger nicht mit wissenschaftlichem Gedankengut. Bsonders gut gefallen hat Berger, wie Leigh es versteht, die Einkreisung des Tigers so "kühl-kalkuliert zu zelebrieren und doch glutvoll wirken zu lassen".

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