Julia Volmer-Naumann

Bürokratische Bewältigung

Entschädigung für nationalsozialistisch Verfolgte im Regierungsbezirk Münster
Cover: Bürokratische Bewältigung
Klartext Verlag, Essen 2012
ISBN 9783837503951
Gebunden, 512 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Nach 1945 waren die überlebenden NS-Verfolgten auf Versorgungshilfen angewiesen. Auf ihre Forderungen nach einer Wiedergutmachung des an ihnen verübten Unrechts und der entstandenen Schäden musste von deutscher Seite reagiert werden. Aus dem politischen, moralischen, sozialen und rechtlichen Auftrag wurde vor allem ein bürokratischer: Behörden wurden mit der Umsetzung der Entschädigung und der Auseinandersetzung mit den Ansprüchen der Verfolgten betraut. Mangels gesellschaftlicher Bereitschaft zur Beschäftigung mit der NS-Verfolgung war diese Praxis der Entschädigung ein gewichtiger Aspekt der deutschen Vergangenheitsbewältigung der 1950er und 1960er Jahre. Vor die Schreibtische der Sachbearbeiter traten Antragsteller, die nach schwerster Schädigung und Traumatisierung neben Entschädigungszahlungen Verständnis und Gerechtigkeit erwarteten. Hinter den Schreibtischen saßen Verwaltungsmitarbeiter, die innerhalb enger rechtlicher und finanzieller Spielräume möglichst schnell und reibungslos über deren Anträge befinden sollten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2012

Mit Gewinn liest Michael Mayer die Arbeit von Julia Vollmer-Naumann zur Praxis der "Wiedergutmachung" von NS-Unrecht im Regierungsbezirk Münster zwischen 1945 und 1968. Die Autorin vermag nicht nur anschaulich die akute Not der Betroffenen darzustellen, sondern auch die Probleme der entsprechenden Ämter bei der Prüfung der Fälle, bei Abwägung und Umsetzung. Dass die Autorin sich dabei auf eine breite Quellenbasis stützt, hält Mayer für eine Besonderheit. Laut Rezensent gelingt auf die Art eine selten ausgewogene, auch die Spannungsfelder, in denen die Wiedergutmachungsbehörden agierten, herausarbeitende Studie. Das Fazit einer bei allen Fährnissen relativ "guten" bürokratischen Umsetzung der Aufgabe, hält Mayer für glaubhaft. Genauere Einblicke in die Personalstruktur der Ämter (Ex-NSDAP-Mitglieder und NS-Opfer arbeiteten hier zusammen) und die Auswirkungen wären für ihn wünschenswert gewesen, schmälern aber nicht den Verdienst der Autorin, wie er erklärt.

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