Im April 2009 warnte die WHO vor einem neuartigen Grippevirus und einer Pandemie mit Millionen von Toten. Die kontroversen Auskünfte der Wissenschaftler in den Medien verunsicherten die Bevölkerung zutiefst. Doch die Seuche verlief glimpflich und rund 30 Millionen Impfdosen blieben ungenutzt. Bund und Länder stritten über Millionenkosten. An diesem und anderen aktuellen Beispielen wie dem offenen Brief von 35 Staatsrechtslehrern zum Fall Nikolaus Brender oder dem Appell von Klimaforschern an den Kopenhagener Klimagipfel diskutiert Jutta Limbach, frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, die Verantwortung, die mit der politischen Stellungnahme der Wissenschaftler zusammenhängt. Wie jedem Bürger in einem demokratischen Staat stehen einem Professor Rede-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit zu. Die Tragweite seiner politischen Meinungsäußerung ist jedoch oft weitaus größer als die eines beliebigen Bürgers. Ein Rückzug ins Private oder in den Elfenbeinturm ist für den in einer Demokratie wirkenden Wissenschaftler keine Alternative.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2011
Als ehemaliger Kollege im Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts mit Jutta Limbach als Vorsitzender zweifelt Winfried Hassemer ein wenig daran, ob er der Richtige für die Rezension ihrer "Göttinger Rede" zur Frage des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik ist, macht sich dann aber dann doch ans Werk. Gewichtige Fragen werden hier gestellt, nämlich inwieweit sich Wissenschaftler in der Politik zu Wort melden sollten, sie Teil der politischen Auseinandersetzung werden dürfen, stellt der Rezensent fest. Die Trennung von Politik und Wissenschaft, wie sie Max Weber proklamierte, ist jedenfalls längst überholt, so Hassemer. Eingehend würden der Einfluss und die Aufgaben der Wissenschaft auf soziale und politische Fragen dargelegt und die Argumente, die die Autorin für die politische Verantwortung von Wissenschaftlern anführt, seien überzeugend belegt, lobt er. Die Frage des "Ob" ist in den Augen des Rezensenten also hinlänglich geklärt, für das "Wie" findet er in diesem schmalen Bändchen komplexe und aktuelle Beispiele.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…