Die ökologischen Widersprüche verschärfen sich, die politischen Auseinandersetzungen um Klimawandel, Artensterben, Ernährung, ja unsere ganze Lebens- und Produktionsweise werden härter. Die Ökologie ist endgültig kein Thema mehr unter anderem, sie wird zum zentralen Aggregatzustand der Politik. Warum ist das so? Im nicht enden wollenden Sommer 2018 ist den Bürgerinnen und Bürgern die schwache ökologische Bilanz der Merkel-Jahre ins Bewusstsein getreten. Die Grünen konnten deswegen ihre demoskopischen Werte verdoppeln. Hinzu kommt, dass klimapolitisch immer öfter Stunden der Wahrheit anstehen: Verkehrswende, Energiewende, Agrarwende - die Eingriffe, die nötig sind, um die Erderwärmung leidlich zu begrenzen, sind tief, die anstehenden Veränderungen werden reale Verlierer und Gewinner haben, sie bergen Chancen und Schmerzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2019
Ein wenig ambivalent sieht Marlene Weiss die Gedanken von Bernd Ulrich zur Ökologie. Gleich zu Anfang ihrer Besprechung stellt sie ihm den US-Journalisten Nathaniel Rich entgegen, der nach langer Detailrecherche akribisch aufzeigt, wie es zur Klimakrise kommen konnte ("Losing Earth" im New York Times Magazine). Ulrich dagegen ziehe "große Linien" vor und zeige auf die intellektuelle Verhaftetheit im 20. Jahrhundert und die "fast zwanghafte Mitte-Orientierung" der Politiker als großteils verantwortlich. So richtig passt der Rezensentin aber nicht, dass statt sauberer klimawissenschaftlicher Fakten immer wieder Zitate des Philosophen Peter Sloterdijk eingesetzt werden. Und gegen die vegane Überzeugung von Ulrich setzt sie leichthin den Gedanken der Jagd als Hege auch des Waldes. Alles in allem "ein sehr persönlicher Aufruf" findet sie - von einem Autor, mit dem manchmal die Formulierlust durchgehe.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 15.10.2019
Rezensent Stefan Reinecke findet vieles richtig, was der Zeit-Redakteur Bernd Ulrich in seiner Schrift zum Klima schreibt. Wenn der einstige Merkel-Freund nun die Politik der Kanzlerin als fatal zögerlich kritisiert und eine viel radikalere Umkehr einfordert, dann überzeugt er den Rezensenten. Wenn Ullrich seine eigenen Umkehr und seine Konversion zum Veganismus als seligmachendes Exempel vorführt, will der Rezensent das nur ungern als rhetorischen Kniff gelten lassen. Aber richtig ärgerlich wird es, wenn sich Ulrich um wichtige Frage drückt und es bei reiner Leitartikelei belässt - "flottgeschrieben", meint Reinecke, "aber ohne Tiefenbohrung".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2019
Joachim Müller-Jung schätzt gerade den Selbstbezug am Buch des Umweltbewegten Bernd Ulrich. Müller-Jung empfindet als Geständnis, was der altgediente "Zeit"-Redakteur aufschreibt über Verdrängungsleistungen des Umweltbewusstseins, rhetorische Tricks der Klimapolitiker und liberale Illusionen. Das Ziel des freien Menschen im Blick, transportiert der Autor laut Rezensent die Erkenntnis, dass die Wende sich nicht nur gesellschaftlich und wirtschaftlich rechnet, sondern sich auch für den Einzelnen lohnt. Dass Ulrich nicht besser sein will als alle anderen, aber es besser machen möchte als bislang, findet der Rezensent in Ordnung.
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