Karin Becker

Der Gourmand, der Bourgeois und der Romancier

Die französische Esskultur in Literatur und Gesellschaft des bürgerlichen Zeitalters. Habil.
Cover: Der Gourmand, der Bourgeois und der Romancier
Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783465031024
Kartoniert, 754 Seiten, 101,24 EUR

Klappentext

Das 19. Jahrhundert gilt Kulturhistorikern als das goldene Zeitalter der französischen Esskultur, nicht zuletzt weil die bürgerliche Gesellschaft gastronomische Standards schafft, die bis heute zur weltweiten Vorrangstellung der französischen Tafelkultur beitragen. Das gute Essen avanciert zu einem Lebens- und Wissensbereich. Dies drückt sich auch in der Erzählliteratur der Epoche aus, in der Romanciers wie Balzac, Flaubert, Zola und Maupassant dem modernen Gastromythos in zahllosen Mahlzeitenbeschreibungen Tribut zollen. Die Kennzeichen dieser modernen Esskultur (etwa ihr distinktiver Charakter, ihre metaphorische Sprache, ihre androzentrische Ausrichtung und die unterschwellige Verquickung von "gourmandise" und Erotik) werden von den Romanciers in z.T. identifikatorischer Haltung, z.T. aber auch in desillusionistischer Sicht abgebildet, indem sie den zeitgenössischen "discours gastronomique" in ihre Werke aufnehmen und in spezifischer Weise weiterentwickeln.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2001

Für Heinrich Detering ist dieser Band "von geradezu ausschweifender Askese", womit er meint, dass die Autorin einerseits umfangreiches Material zur französischen Esskultur und ihrer Erwähnung in der Literatur zusammengetragen hat, andererseits jedoch diese Resultate hier sehr "nüchtern" präsentiert. Die literarischen Werke erscheinen in dieser Darstellung, wie der Leser erfährt, "nicht so sehr als Kunstwerke", sondern vielmehr als "Teile eines discours gastronomique", so dass man bei Flaubert und Balzac (leider nicht bei Proust, wie der Rezensent bedauert) so allerhand erfährt über Tischsitten, Markthallen, Tafeldekorationen und Süßspeisen. In dieser Hinsicht findet Detering diese Studie sehr ergiebig, doch vermisst er ein Eingehen auf die "literarischen Zusammenhänge" und eine "semiologische Auswertung". Insgesamt jedoch zeigt sich der Rezensent durchaus beeindruckt von der Fülle des Materials und seiner anschaulichen Aufbereitung.
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