Die mährische Bauernfamilie Musil aus Rychtarov bei Vyskov brachte innerhalb weniger Jahrzehnte drei Männer von nationaler und internationaler Bedeutung hervor: Alfred Musil (1846-1924), Professor für Maschinenbau, Inhaber zahlreicher Patente, Hofrat, in den erblichen Adelsstand erhoben; dann sein Neffe Alois Musil (1868-1944), katholischer Priester, dann zum bedeutendsten Erforscher der arabischen Halbinsel aufgestiegen, Verfasser geografischer und ethnografischer Standardwerke, als Christ zum Ehrenscheich der Ruala-Beduinen ernannt, während des I. Weltkriegs Berater des österreichischen Kaisers Karl, nach 1918 Professor in Prag, Mitglied der Royal Academy und zahlreicher anderer hochrangiger Institutionen; schließlich sein Vetter Robert Musil (1880-1942), einer der erudiertesten Autoren seiner Epoche, ausgebildeter Militär, Ingenieur, promovierter Philosoph und Experimentalpsychologe, Verfasser des fragmentarisch gebliebenen Epochenromans "Der Mann ohne Eigenschaften" (1930, 1932). Die von Corino herausgegebenen Familienkorrespondenzen und der kleine Schatz an Fotomaterialien aus dem Nachlass von Alois Musil aus Vyškov bieten neue Hintergrundinformationen zu diesen bedeutenden Männern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2015
Karl Corino hat anhand der Korrespondenz der Familie Musil eine kleine Familiengeschichte geschrieben, die noch weitestgehend unbekannt war, berichtet Oliver Pfohlmann. In "Begegnung dreier Berggipfel" erfährt man also von den Arabienexpeditionen Alois Musils und von dessen akademischer Karriere, die Robert Musils Vater Alfred ihm stets neidete, von Roberts Schriftstellerei, die er sich von den Eltern finanzieren ließ, die ihm lieber eine Anstellung in der Hofbibliothek besorgt hätten, fasst der Rezensent zusammen. Vielleicht wäre Robert sogar einmal mit Alois auf Forschungsreisen gegangen - wäre er nicht syphilisbedingt tropenuntauglich gewesen, verrät Pfohlmann.
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