Weihnachten wird weltweit groß gefeiert, von Christen wie Nichtchristen. Und alle Jahre wieder scheint es zwischen glänzend funkelnder Festbeleuchtung, Krippen und geschmückten Tannenbäumen kaum vorstellbar, dass es jemals anders war. Dabei beginnt die Biographie und Weltkarriere des Festes nicht gerade friedlich und harmonisch, sondern mit kniffligen theologischen Fragen und Konflikten. Karl-Heinz Göttert fahndet in der Kirchen- und Weltgeschichte nach Ursprung und Entwicklung dieses unvergleichlichen Festes. Er findet unglaubliche Ereignisse und skurrile Bräuche: Wie wurde aus der Geburtsszene im Stall Jahrhunderte später eine kirchliche Feier, um den Glauben an Jesus als Erlöser zu stärken? Warum nahm man als Termin ausgerechnet die Wintersonnenwende, die bis in die Neuzeit für Trubel und Verbote sorgte? Wie trugen Folklore und Kommerz zum Erfolg des Festes bei? Und in welchem Wettbewerb zueinander standen Krippe und Christbaum?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2020
Zufrieden ist er nicht mit diesem Buch, der Rezensent Thomas Macho, der sich offenbar auskennt mit verschiedenen kulturgeschichtlichen Darstellungen zu Weihnachten. Die hier vorliegende ist ihm zu christlich-deutsch geraten, die Globalgeschichte des Festes werde nur gestreift. Datierungen des Festes seien bekanntermaßen durch Unterschiede in Lukas- und Matthäusevangelium immer schon erschwert gewesen, aber alte Theorien zur Feier des Sonnengottes anlässlich der römischen "Wintersonnenwende" (am 25.12.) würden, findet der Kritiker, wenig überzeugend noch einmal widerlegt. Einigermaßen ausführlich, so hat man den Eindruck, wird offenbar nur das Familienfest des 19. Jahrhunderts hier dargestellt, selbst die neueren "Aneignungen" des Festes in Literatur, Film und Politik bleiben zumeist außen vor. Im Epilog hat der Autor sich zum "Weihnachtsbrauchtum der eigenen Kultur" bekannt, aber diesen Kritiker hat er bis dahin längst verloren.
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