Herausgegeben und mit einem Nachwort von Franz Schuh. Einem Marstheater hat Karl Kraus seine Weltkriegstragödie zugedacht weil sie mit ihren über 200 Szenen nicht nur im Umfang über jede menschliche Vorstellung hinausgeht. Die Tragödie findet hier nicht nur auf dem Theater statt, sie ist eine Katastrophe von apokalyptischen Dimensionen, der Untergang der Welt in einer Extraausgabee . Und so endet der Krieg, gegen den Karl Kraus mit satirischem Furor und moralischer Beschämung Krieg geführt hat, hier nicht mit einem Frieden: Dieser nicht. Denn: Er hat sich nicht an der Oberfläche des Lebens abgespielt, sondern im Leben selbst gewütet. Die Front ist ins Hinterland hineingewachsen. Sie wird dort bleiben. Und Karl Kraus spürt ihrem Verlauf nach: in der Presse wie im Militärkommando, im Café wie am Schlachtfeld, im Wurstelprater wie vorm Kriegsgericht und vor allem in dem von Chauvinismus und Gewissenlosigkeit verseuchten Denken und Sprechen seiner zeitgenossen. Aus Erfundenem wie Gefundenem gestaltet Karl Kraus ein großes Panorama des Schreckens, den tragischen Karneval einer Menschheit im Vernichtungsrausch: ein literarisches Fanal, Mahnmal und Monument.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2014
Peter von Matt feiert die neue Ausgabe von Karl Kraus' Stück "Die letzten Tage der Menschheit". Näher als jeder Kriegsfilm kann dieses Buch einen jeden an das Geschehen im Ersten Weltkrieg heranrücken, an "das arme Menschenfleisch" im Schützengraben, an die Flaniermeile Wiens, wo das ganze "Spektakel der menschlichen Mikrobosheit" aufgeführt wird und die tausendfach aufgesogene Propaganda, zum individuellen Vorteil umgemünzt, wieder ausgespuckt wird, fasst der Rezensent zusammen. Es ist das Privileg der Literatur, jedes noch so kleine Symptom des Unheils heraus zu schälen, im Konkreten anschaulich zu machen, so von Matt. Kraus bediene sich zur Darstellung der Monstrosität des Krieges einer "Dissonanz des Komischen", lobt der Rezensent, der auch Kraus' Meisterschaft bewundert, das Grauen nie in harmlosem Kichern verebben zu lassen.
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