Nicht nur Sprachphilosophen, auch Sprachwissenschaftler unterscheiden zwischen dem Regelsystem einer "Sprache" bzw. der Sprachkompetenz und der aktuellen Verwendung dieser Fähigkeit in der Kommunikation, dem "Sprechen". In den letzten Jahrzehnten mehren sich allerdings Stimmen, die kritisch fragen, ob eine solche "Sprache hinter dem Sprechen" tatsächlich zu entdecken ist oder ob sie nicht vielmehr durch die sprachwissenschaftliche Praxis überhaupt erst erzeugt werde. Der Band will das aktuelle Problemfeld zeitgenössischer Sprachreflexion und Sprachtheorie vermessen, indem zeitgenössische Verfechter oder Kritiker der Idee von einer "Sprache hinter dem Sprechen" zu Wort kommen und sich mit den möglichen Wechselwirkungen zwischen den beiden Phänomenen auseinandersetzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.09.2002
Der Band versammelt die Texte einer Vortragsreihe an der Berliner Freien Universität aus dem Jahr 2001. Der Titel formuliert die Frage, die es zu beantworten galt. Klare Antworten gab es nicht, aber das kommt für den Rezensenten (Kürzel lx.) alles andere als überraschend. Spätestens seit Saussure schlägt sich die Sprachwissenschaft mit dem Problem herum, das erwähnt auch der Romanist Jürgen Trabant in seinem Vortrag - der einzige, auf den die kurze Rezension näher eingeht. Berechtigte Frage, meint Trabant zur gestellten Aufgabe, die Antwort lautet tendenziell ja, jedoch: alles "viel komplizierter". Resümee des Rezensenten: "Also nichts Neues von der sprachwissenschaftlichen Front."
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