Kate Manne

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Wie wir Fettfeindlichkeit bekämpfen können
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Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518588383
Gebunden, 350 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann. Bis heute weiß Kate Manne genau, was sie zu jedem wichtigen Anlass in ihrem Leben wog: an ihrem Hochzeitstag, an dem Tag, an dem sie Professorin wurde, an dem Tag, an dem ihre Tochter geboren wurde.  Solange sie denken kann, wollte sie dünner sein. Sie wurde wegen ihres Gewichts belächelt und gemobbt. Und sie hat darauf reagiert: mit extremen Diäten. Manne versteht sich als feministische Philosophin, aber dem kulturellen Gaslighting, das dazu zwingt, den Hunger zu ignorieren, konnte sie sich nicht entziehen. Nun hat sie diesem Thema ein Buch gewidmet, dass intime Geschichten mit wissenschaftlichen Analysen und scharfsinnigen philosophischen Einsichten verbindet. Manne untersucht, wie Fettfeindlichkeit funktioniert, wie sie uns dazu bringt, verheerende Annahmen über die Attraktivität, die Stärken und den Intellekt einer Person zu treffen, und wie sie sich mit anderen Systemen der Unterdrückung überschneidet. Fettphobie ist verantwortlich für Lohnunterschiede, medizinische Vernachlässigung und schlechte Bildungsergebnisse. Sie ist eine Zwangsjacke, die unsere Freiheit einschränkt. Daher muss sie bekämpft werden mit einer neuen Politik der "Körperreflexivität", die klarmacht, dass unsere Körper in der Welt für uns selbst existieren - und für niemanden sonst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.01.2026

Ambivalent beurteilt Bernhard Heckler Kate Mannes Buch über Fettleibigkeit. Manne schreibt aus der Perspektive einer Betroffenen, erläutert Heckler, und sie unternimmt den Versuch, Übergewicht - woke: "Mehrgewicht" - philosophisch zu verteidigen. Insbesondere gehe es ihr darum zu zeigen, dass Mehrgewichtige von der Gesellschaft zu Unrecht moralisch in Misskredit gebracht werden, etwa mittels des Body-Mass-Index, der keineswegs aus Gründen der Gesundheitsvorsorge eingeführt worden sei, sondern als "Fat-Shaming"-Maßnahme. Soweit kann Heckler Manne folgen, auch wenn er darauf hinweist, dass sie die durchaus real existierenden negativen Folgen von Übergewicht weitgehend ausblendet. Anstatt aber im Anschluss konstruktiv darüber nachzudenken, wie man die Diskriminierung von Fettleibigen bekämpfen kann, sucht Manne lediglich nach weiteren Beweisen für ihre These. Die dabei, ärgert sich Heckler, mehr und mehr an Überzeugungskraft verliert, etwa wenn Manne Fettfeindlichkeit mit der modisch gewordenen Vokabel "genozidal" versieht oder über toxische Beziehungsdynamiken spekuliert, die mit Fettleibigkeit einhergehen würden. Hier geraten die Unterschiede zwischen Fat-Shaming und - zum Beispiel - rassistischer Diskriminierung aus dem Blick, kritisiert Heckler, der den Eindruck hat, dass Manne in einem Akt der Schuldabwehr ihre persönlichen Befindlichkeiten zum Resultat struktureller Gewalt erklärt. Anstatt ihren eigenen Gefühlen nachzuspüren, so Heckler. So bleibt am Ende für den Rezensenten ein nur in Teilen überzeugendes Buch über ein wichtiges Thema.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2025

Wie wäre es, wenn plötzlich alle Menschen auf der Welt schlank wären? Auf dieses Gedankenexperiment nimmt die Philosophin Kate Manne die Rezensentin Jolinde Hüchtker mit: Sie hat sich mit der grassierenden Fettfeindlichkeit beschäftigt und ist dem gesellschaftlichen Ausmaß der Verachtung dicker Menschen nachgegangen. So lernen wir, dass bei Menschen mit Übergewicht deutlich seltener auf bestimmte Krebsarten getestet wird und dass dicke Kinder trotz gleicher Leistungen schlechtere Noten bekommen. Als "soziologische Zustandsbeschreibung" ist das sicher sehr treffend, hält Hüchtker fest, sie hätte sich allerdings gewünscht, dass Manne mehr zu Auswegen aus der Fettfeindlichkeit schreibt, wenngleich das Konzept der "Body Reflexivity" überzeugt, bei dem es darum geht, dass der Körper einzig für den Menschen da ist, der ihn bewohnt, sie überzeugt.

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