Aus dem
Englischen von Johanna Wange. Die antiken Götter von heute leben im Südosten Londons. Sie heißen Kevin und Jane, Mary und Brian, Thomas und Clive - zwei Familien in benachbarten Häusern, Eheleute, die einander betrügen, Halbbrüder, die nichts voneinander wissen. Ihre Nöte, Hoffnungen und Enttäuschungen bringt Kate Tempest in ihrem preisgekrönten Langgedicht "Brand New Ancients / Brandneue Klassiker" zu Gehör. In den kleinen, prekären Leben findet sie die Kraft der alten Mythen wieder. Dem Zynismus und der Gleichgültigkeit der kapitalistischen Gesellschaft setzt sie Humanismus und Einfühlungsvermögen entgegen und die Wucht ihrer Sprache.
Für Helene Hegemann ist die britische Rapperin und Autorin Kate Tempest eine Art "Taylor Swift für Leute mit Anspruch". Überall ein bisschen politische Botschaft, aber ja nicht so, dass es zu sehr weh tut, fährt die Kritikerin fort. Was auf der Bühne funktionieren mag, gelingt bei der reinen Lektüre allerdings nicht besonders gut, meint Hegemann, nachdem sie das nun auch auf Deutsch erschienene Langgedicht "Brandneue Klassiker" gelesen hat. Und so erscheint ihr dieses epische Gedicht, in dem Tempest antike Mythen ins heutige London verlegt und von zwei Familien und deren Söhnen erzählt, die nicht wissen, dass sie Halbbrüder sind, wie ein Opern-Libretto, dem Musik und Kontext fehlen. Mehr als ein paar Einsichten in schlimme Castingshows und schlechte Ehen hat die Rezensentin nicht mitgenommen.
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