Aus dem Englischen von Vojin Saša Vukadinović, mit einem Gespräch der Autorin für die deutsche Ausgabe. Kathleen Stock befasst sich mit den philosophischen Ideen, die zur Annahme einer Geschlechtsidendität geführt haben, und überprüft jede einzelne davon: Von Simone de Beauvoirs These, man werde nicht als Frau geboren, sondern zu einer solchen gemacht (eine Bemerkung, die laut Stock fehlinterpretiert und umfunktioniert worden ist), bis hin zu Judith Butlers Diktum, dass Sprache die biologische Wirklichkeit nicht beschreibe, sondern erst hervorbringe. Stock widmet sich der Rolle des biologischen Geschlechts in diversen Kontexten, darunter in Räumen und in Ressourcen, die lediglich Frauen zur Verfügung stehen, sowie im Gesundheitswesen, in der Epidemiologie, in der politischen Organisierung und in der Datenerhebung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2022
Rezensent Patrick Bahners empfiehlt die begriffskritische Arbeit der Philosophin Kathleen Stock. Den Begriff "Genderidentität" seziert Stock laut Bahners scharfsinnig, indem sie den Ersatz konventioneller Geschlechtsbegriffe durch das Konzept der Genderidentität nachweist. Stocks Kritik an diesem Vorgang als Installation eines Tabus und ihre Forderung nach mehr Realismus in der Genderdebatte findet Bahners umso bedenkenswerter, als er darin neben der ontologischen auch eine soziologische Seite entdeckt.
Die Philosophin Petra Gehring wird mit dem 2021 im englischen Original erschienenen Buch der britischen Philosophin Kathleen Stock gut informiert über Grundlagenfragen in Sachen Geschlechterkonzepte. Dass Stock keinen Skandaltext abliefert, sondern eine "geduldig" argumentierende, "flüssig" verfasste "liberale Studie", ist Gehring nur recht. Widersprüche der unterschiedlichen Konzepte werden für Gehring ebenso sichtbar wie Kritikpunkte der politischen Konsequenzen von Identitätspolitik. Dass Stock vehement Respekt einfordert für Transpersonen, "nichtbinäres" Sein und die Differenz zwischen Kritik und "emotionaler Abwehr", gefällt Gehring gut. Lesenswert findet sie zudem die Ausführungen im Buch zu den Unterschieden zwischen akademischen Diskussionen rund ums Thema und den praktischen Gleichstellungsanliegen.
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