Herausgegeben und mit einem Nachwort von Daniel James. Was heißt es, eine Frau oder ein Mann, schwarz oder weiß zu sein? Hierauf geben feministische und antirassistische Theorien scheinbar widerstreitende Antworten: Während die einen diese Kategorien als sozial konstruiert begreifen, sofern unter sie zu fallen bedeutet, in bestimmten sozialen Beziehungen der Unterordnung zu stehen, denken andere sie als objektiv, sofern unter sie zu fallen für Menschen reale Konsequenzen zeitigt, denen sie sich schwer entziehen können. In dieser Sammlung von Aufsätzen entwickelt die Philosophin Sally Haslanger eine sozialkonstruktionistische Theorie sozialer Arten, die diesen beiden Erfordernissen gleichermaßen Rechnung trägt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2022
Rezensent Martin Hartmann liest die Aufsätze der Philosophin Sally Haslanger über Gendern und Rassismus und Ideologien mit großem Interessen. Anregend scheint ihm, wie Haslanger ihre Fragestellungen entwickelt, so etwa über ein Gespräch mit der eigenen Tochter über bauchfreie Tops. Der feministische Ansatz Haslangers steht laut Hartmann im Dienst der praktischen Überwindung sozialer Ungerechtigkeit, wobei sich die Autorin nicht mit der Ersetzung alter Begrifflichkeiten zufrieden gibt, sondern auf eine Veränderung unseres Verstehens abzielt, wie Hartmann erkennt. Die chronologische geordneten Aufsätze im Band lassen den Rezensenten am Erkenntnisprozess der Autorin teilhaben.
Rezensent Lars Weisbrod empfiehlt die Arbeiten der Philosophin und Feministin Sally Haslanger, versammelt in diesem Band, als Ergänzung zu gegenwärtigen Diskussionen um weibliche Identität. Was die Autorin vor 20 Jahren dazu und zu sozialer Begrifflichkeit und politischer Instrumentalisierung veröffentlicht hat, hat laut Weisbrod weiterhin Gültigkeit. Ebenso allerdings die Haltung, mit der sich die Autorin gegen einen "Total-Konstruktivismus" wehrt, meint der Rezensent. Haslangers Argumentation scheint Weisbrod anspruchsvoll unter anderem insofern, als sie die Rückkopplungen der Wirklichkeitskonstruktion mitdenkt: Wer sagt, bauchfreie Tops sind cool, so die Philosophin, arbeitet mit an der sozialen Konstruktion die erst durch ihre Behauptung Wirklichkeit wird. Dann kann man die Sache aber auch jederzeit umdrehen, lernt Weisbrod, und sie durch schiere Behauptung wieder uncool machen. Die Texte der am MIT lehrenden Philosophin sind für Weisbrod ein unabdingbarer Wegweiser durch die Debatten um Identitätspolitik.
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