Kathrin Schmidts neue Gedichte erzählen vom Älterwerden, von Abschieden, von der Vergänglichkeit. Und doch sind sie das Gegenteil von Stillleben, denn sie sprechen immer "vom Leben her". Still steht da nichts, alles bewegt sich - getrieben von großer Lebensliebe, Klugheit und scharfem Humor. Gesprochen und nachgedacht wird über den Körper und seine Metamorphosen, über das Vergehen der Natur ringsum, über das, was Familie bedeutet. Über alles, was bleibt, und über die Dinge, die - manchmal auch Gott sei Dank - verschwinden. Neben urbane Schauplätze treten oft ländliche Gegenden. Die Texte "spielen" auf dem Land, im Dorf oder zumindest im Garten. Das Vokabular schöpft aus dieser Naturwelt, aber es ist keine ungebrochene Idylle: Windräder stehen im Bild, ihre Rotoren zerschneiden die Luft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2021
Rezensent Wulf Segebrecht empfiehlt Kathrin Schmidts Wortkunst, zu besichtigen in diesem Band mit späten Gedichten. Der Metaphernreichtum und die immer spürbare Spracharbeit in den Texten sind für Segebrecht herausragende Kennzeichen von Schmidts Lyrik. Ebenso das Unlyrische: Statt Identifikationsangeboten schafft die Autorin Distanz aus Witz, Ironie und Verrätselung, meint Segebrecht. Ein höchst kunstvolles, kunstfertiges Verfahren, findet er.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.11.2020
Eine "lyrische Herbstlese" nennt Rezensent Jörg Magenau Kathrin Schmidts neuen Gedichtband über das Altern, das Abschiednehmen, die Vergänglichkeit. Darin fällt ihm zunächst einmal mehr Schmidts körperlicher Zugriff auf die Sprache auf, und er erklärt: Nach einem Schlaganfall musste die Dichterin mühevoll jedes Wort neu erlernen, was ihre Lyrik stark geprägt hat. Die besondere Distanz zur Sprache oder eben diese etwas andere Art der Nähe, verleiht ihr auch eine gewisse Freiheit in der Handhabe, welche oft poetisch eindrucksvolle Klänge zeitigt, manchmal aber auch etwas willkürlich wirkt, so Magenau. Diese Kritik trifft jedoch nicht auf den letzten Zyklus des Bandes zu, indem sich Schmidt ausnahmsweise der Formenstrenge des Sonetts unterwirft, ja mehr noch: ein übergreifendes Ordnungssystem entwickelt, das die einzelnen Gedichte miteinander verkettet, lobt der Rezensent. So sei es vor allem dieser krönende Abschluss, der den Eindruck beschließt, eine interessante Mischung aus melancholischem Lamento und lustvollem Freudengesang auf die Kraft der Worte gelesen zu haben.
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