Das Parfüm des Todes
Thriller

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518474433
Kartoniert, 483 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Aus dem taiwanischen Chinesisch von Karin Betz. Taipeh: Yang Ning ist Tatortreinigerin und hatte früher den absoluten Geruchssinn. Nach dem Tod ihres Bruders ist sie allerdings mit dem partiellen Verlust dieser Gabe gestraft und kann sie nur noch an Orten des Todes und der Verwesung wieder zum Leben erwecken. Als sie zur Wohnung einer verschwundenen Person gerufen wird, wo sie aufräumen soll, merkt sie allerdings zu spät und nachdem die Räume von ihr schon gesäubert worden sind, dass sie in eine Falle gelockt wurde. Diese Wohnung ist ein Tatort, hier ist ein Mord geschehen. Prompt wird sie von der Polizei als Hauptverdächtige betrachtet. Yang Ning begibt sich auf eine verzweifelte Suche, um sich zu entlasten. Sie folgt der schwer fassbaren Spur, die der Mörder hinterlassen hat - der Duft eines Parfüms namens "Madame Rochas" -, und nimmt dabei die Hilfe des berühmt-berüchtigten Serienmörders und Künstlers Cheng Chunjin in Anspruch, um das Innenleben eines psychopathischen Geistes zu verstehen. Um das Monster zu jagen, muss sie selbst zu einem Monster werden ...
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2025
Nichts für schwache Nerven ist dieser Krimi der Taiwanesin Katniss Hsiao, meint eine von der Lektüre ziemlich gefesselte Rezensentin Maria Wiesner. Vor allem sollte man sich, lernen wir, auf allerlei olfaktorische Unannehmlichkeiten gefasst machen, schließlich stellt die Autorin den Geruchssinn ihrer Heldin Yang Ning ins Zentrum. Die arbeitet, heißt es weiter, als Tatortreinigerin und ihre seit einem Trauma kaum mehr funktionierenden Sinne laufen zu Hochform auf, wenn sie einen Ort besucht, an dem ein Mord stattgefunden hat. Eines Tages wird sie jedoch selbst zur Mordverdächtigen und muss ihre Unschuld beweisen, erzählt uns Wiesner, die einige der heftigeren Passagen dieses mit schockierenden Eindrücken nicht geizenden Buches zitiert. Präzise und rasant sei diese Prosa, außerdem baut Hsiao Verweise auf Patrick Süskinds Geruch-Krimi-Klassiker "Das Parfüm" in die Handlung ein. Die eindringliche Figurenzeichnung hilft dabei, die Härte, die dieses Buch hat, zu ertragen, meint die Rezensentin. Insgesamt eine lohnende Lektüre, ein Buch, das in Abgründe blickt, so das Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.11.2024
Rezensent Kolja Mensing verfolgt fasziniert, wie Katniss Hsiao in ihrem Krimidebüt Versatzstücke aus dem angloamerikanischen und europäischen Krimi-Kanon zu einem Thriller arrangiert, der auf subtile Weise unterschwellige Konflikte in der taiwanesischen Gesellschaft verhandelt. Und dann zählt Mensing auf: Die Heldin heißt Yang Ning und arbeitet als Tatortreinigerin in Taipeh, das Opfer ist eine junge Frau, deren Parfum (!) in Yang Ning schmerzhafte Erinnerungen wach ruft, der Verdächtige trägt den Namen Grenouille (!), dann ist da noch Norman Bates (!) im Fernsehen, der verurteilte Serienmörder, der Yang Ning bei der Recherche hilft (!) und so weiter… … Dass Kriminalromane mit intertextuellen Verweisen arbeiten, ist nichts Neues. Spannend findet Mensing eher, wie diese Verweise im Kontext der taiwanesischen Gesellschaft teilweise ganz andere, überraschende Implikationen bekommen. So wird mit den Mitteln westlich geprägter Erzählformen eine Geschichte über den Generationenkonflikt in Taiwan erzählt, erklärt der beeindruckte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 31.10.2024
Katniss Hsiaos Krimi-Debüt hat zwar ein paar "dramaturgische Schwächen", findet Rezensent Daniel Haas, letztlich gelinge ihr aber dennoch ein gut erzählter Krimi. Mit Rückgriff auf Klassiker wie "Das Parfüm", baut Hsiaos ihre Geschichte um die Kommissarin Yang Ning, die jede kleinste Geruchsveränderung wahrnehmen kann und deshalb eingesetzt wird, um einen Serienkiller mit spezieller Duftnote zu finden. Manches findet der Kritiker hier ein bisschen unschlüssig, warum braucht Ning beispielsweise einen Mentor an ihrer Seite, der ebenso ein "Duft-Genie" ist? Die Ermittlung sei nur das "Dekorum" für eine "vertrackte Familiengeschichte", in deren psychologische Tiefen die Autorin mit Bravour eintaucht und dabei gesellschaftliche Themen, wie die strukturelle Gewalt an Frauen, miteinbezieht. Subtile, emotionale Passagen wechseln sich hier ab mit deftiger Brutalität und der "Lust am Grauen" - eine gute Mischung, findet Haas.