Welche Bedeutung hatten die geheimpolizeilichen Gefängnisse in der DDR der Ära Honecker? Katrin Passens untersucht in ihrer politikgeschichtlichen Analyse der MfS-Untersuchungshaft die Entwicklung und Veränderung dieses Repressionsinstruments, dem mehr als 30.000 Menschen unterworfen waren. Im Mittelpunkt der Studie steht, wie die MfS-Untersuchungshaft der SED-Herrschaftssicherung diente und wie sich ihre Funktionen, etwa die Eindämmung der Flucht- und Ausreisebewegung oder die Informationsbeschaffung, veränderten. Dabei wird deutlich, dass die Anwendung der MfS-Untersuchungshaft von außenpolitischen Entwicklungen, der innenpolitischen Situation und anderen Faktoren abhängig war. Und schließlich zeigt die Autorin, wie die Wechselbeziehung zwischen Geheimpolizei und Oppositionellen eine eigene Dynamik entwickelte und wo das Repressionsinstrument an seine Grenze stieß.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2013
Ausgesprochen aufschlussreich findet Günther Heydemann Katrin Passens' Studie über "MfS-Untersuchungshaft". Die Politikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin der Gedenkstätte Berliner Mauer beschränkt sich nicht, was, wie der Rezensent anmerkt, naheliegend gewesen wäre, auf die Wiedergabe von Erlebnisberichten, sondern vollzieht anhand von verschiedensten, auch statistischen Quellen, wie sich das Unterdrückungswerkzeug des Ministeriumr für Staatssicherheit in der Honecker-Ära entwickelte. Dass es sich überhaupt entwickete, ist an sich schon ein interessanter Befund, meint Heydemann, schließlich handele es sich bei der Stasi im Bewusstsein der meisten Menschen um ein "ehernes Monstrum" ohne jegliche Veränderungsphasen. Die Autorin hat eine "hochdifferenzierte Untersuchung" vorgelegt und erweist sich als bestens vertraut mit der "umfangreichen Forschungsliteratur", lobt der Rezensent.
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