Aus dem Englischen von Laura Su Bischoff und Michael Bischoff. Von ihrem Zimmer am Landwehrkanal aus hat die britisch-amerikanische Kunstkritikerin Kirsty Bell einen besonderen Blick auf die Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt. Ihr Augenmerk gilt nicht den Königen und den Monumenten. Es sind die Brachen, die drängenden Wasser und die besonderen Schicksale, die sie interessieren. Preußischer Militarismus und männlicher Ingenieurssinn haben Berlin geprägt, die Gewalt des 20. Jahrhunderts hat es traumatisiert. Von Walter Benjamin zu Rosa Luxemburg, von Gabriele Tergit zu Hannah Arendt und hin zu den Bewohner:innen ihres eigenen Gründerzeithauses lässt Kirsty Bell die Menschen sprechen. Noch immer ist die Stadt aus dem Takt, so wie es Bells eigenes Leben war. Doch nur deshalb kann sie Berlin zum Besseren hin erzählen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2022
Rezensentin Katharina Rudolph empfiehlt Kirsty Bells Berliner Stadterkundungen, die Funken schlagen aus der Verbindung von Privatem und Historischem. Was Bell von ihrem Küchenfenster aus betrachtet, den Landwehrkanal, das Excelsior Haus, die Reste des Anhalter Bahnhofs, verleitet die neugierige Autorin laut Rudolph zu Recherchen und Entdeckungen, führt sie zu den Leichen von Luxemburg und Liebknecht, in schimmelnde Hinterhaushöhlen, zum Glanz von Vicky Baums "Menschen im Hotel" und zu Gabriele Tergit und ihren Zirkeln. Die Mischung aus Sachbuch und Essay und die Einbeziehung des Recherchegangs machen die Lektüre für die Rezensentin so reizvoll.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.11.2021
Rezensent Thomas Groß entdeckt Spuren der Berliner Vergangenheit mit Kirsty Bell und ihrem Buch einer persönlichen Spurensuche in der Stadt. Ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit gräbt die Autorin laut Groß ihre eigenen Löcher durch die Stadtgeschichte, lauscht in Hinterhöfe, starrt auf den Wasserspiegel des Landwehrkanals und recherchiert in Sachen Wasserräder und Mädchenkammern. Wie sich dabei das Private mit dem Politischen mischt, gefällt Groß gut. Die Tatsache, dass Bell zu den Zugewanderten gehört, kommt dem Buch laut Rezensent zugute, da die Autorin neue An- und Einsichten bietet.
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