Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.09.2003
Statt von "historischen Wendepunkten" sprechen die Autoren dieses Bandes lieber von "historischen Wendeprozessen", und zwar um Augenblick und Dauer, Kontinuität und Bruch im Geschichtsprozess zu versöhnen, erklärt Rezensent Alexander Kissler. Während Christoph Markschies in seinem Beitrag über die Entstehung des Christentums die Wende-Metaphorik kritisch sehe und eine "Entwicklungskontinuität" zwischen Judentum und Urchristentum feststelle, so Kissler, gebe sich Ludwig Ammann in seinem Aufsatz über die islamische Offenbarung weniger eindeutig. Zwar sehe Ammann in Muhammads "welthistorischer Revolution" einerseits eine "Sinnfortbildung" traditioneller Kulte, doch bedeute andererseits das im Koran enthaltene Gebot der Unterwerfung unter Allah einen Traditionsbruch. Neben den Beiträgen von Markschies und Ammann hebt Kissler vor allem die Arbeit von Moshe Zuckermann hervor. Zuckermann zeige, wie die Gründergeneration des Staates Israels den Holocaust für ihren Zionismus instrumentalisiert habe. Sein Plädoyer gegen die "Ideologisierung einer Wende" würdigt Kissler als "leidenschaftlich geschrieben". Etwas bedauerlich findet er nur, dass Zuckermann der Frage, ob die Shoah als eine universalhistorische Wende begriffen werden könne, ausweicht.
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