Deutsche Militärgeschichte
Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406829031
Gebunden, 1294 Seiten, 49,90
EUR
Klappentext
Mit 21 Abbildungen in einem Farbtafelteil und 22 Karten. Vom Bauernkrieg und den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges über die Deutsch-Französischen Kriege und die Verheerungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs bis hin zu den Afghanistan-Einsätzen der Bundeswehr - Stig Förster bietet einen weitreichenden Überblick über alle wichtigen militärischen Konflikte der deutschen Staaten vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das Buch zeichnet sich vor allem durch eine Erweiterung der Perspektiven aus: Neben den großen Schlachten kommt das individuelle Erleben von Krieg ebenso zum Tragen wie die Verflechtungen zwischen Militär und Zivilgesellschaft sowie die internationale Dimension militärischen Handelns. Man erfährt darüber hinaus alles Wissenswerte über Waffengattungen, Uniformen und Militärtaktiken.
Seit Russlands Angriff auf die Ukraine hat sich auch in Deutschland der Blick auf Bundeswehr und Militärwesen grundlegend geändert. Stig Försters große Überblicksdarstellung der deutschen Militärgeschichte ordnet diese jüngsten Entwicklungen in eine historische Perspektive ein. Für neue Einsichten sorgt der Historiker auch dadurch, dass er das Militär stärker in gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Strukturen einbettet. Zudem wirft er einen kritischen Blick auf die globalen Verstrickungen und Greueltaten des deutschen Militärs, die insbesondere in der Zeit von Imperialismus und Kolonialismus begangen wurden.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2025
Das Militärgeschichte die stiefmütterliche Behandlung, die ihr in den letzten Jahren zu Teil wurde nicht verdient, zeigt Stig Förster dem Rezensenten Thomas Speckmann in seinem Buch: Im Gegenteil, allgemeine Geschichte kann man ohne die des Militärs eigentlich gar nicht erforschen, meint Förster, denn sie ist untrennbar mit politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen verwoben. Dass hier die deutsche Militärgeschichte erzählt werden soll, sollte auch nicht täuschen, denn auch diese stellt Förster klug als verflochten mit internationaler Politik dar, so Speckmann. Da geht es um den Einfluss Napoleons auf das europäische Militärwesen oder auch um Auslandseinsätze von deutschen Soldaten. Dass Politik maßgeblich den Verlauf von Kriegen bestimmt, ist eine weitere Erkenntnis aus diesem Buch: So sei der Dreißigjährige Krieg maßgeblich von politischen Entwicklung innerhalb des Heiligen Römischen Reiches beeinflusst worden. Der Rezensent würde dieses Buch mit Blick auf aktuelle Debatten gerne all jenen empfehlen, die den Sinn von Aufrüstung und Verteidigung anzweifeln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.05.2025
Dieses Buch wiegt mit seinen über tausend Seiten mehr als "die Standardpistole der Bundeswehr", hält Rezensent Kurt Kister augenzwinkernd fest. Vielleicht nichts für den Urlaub, dafür für alle, die einen interessanten und umfassenden Einblick in die Geschichte des deutschen Militärs erhalten wollen. Denn der Militärhistoriker Stig Förster schreibt hier sehr kenntnisreich, nicht nur über Schlachten und Waffengattungen. Vielmehr stellt er Kämpfe und Armeen als Teil der "Gesamtgeschichte" dar, bezieht also vielfältige Thematiken mit ein, Wirtschaft, Politik, aber auch Geschlechtergeschichte. Noch kaum hat der Kritiker "so präzise, verständliche und auch noch gut lesbare Beschreibungen" beispielsweise der Kriege von 1864 und 1866 gelesen. Stark, wie in diesem umfangreichen Buch verschiedene Aspekte des Sozialen als zusammenhängend beschrieben werden, findet der Rezensent, vor allem auch was die jüngere Geschichte angeht. So stellt Förster beispielsweise auch interessant dar, weshalb die Bundeswehr heute kaum ernsthaft abwehrbereit ist, während sie im kalten Krieg, ebenso wie die Nationale Volksarmee der DDR, hochgerüstet worden war. Viel wichtiger Lesestoff also, so das Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Stig Förster, führender Militärhistoriker, eine Militärgeschichte Deutschlands vorlegt, meint Rezensent Andreas Kilb, der das Ergebnis im Großen und Ganzen, aber nicht in allen Details für gelungen hält. Grundsätzlich wählt Förster einen Ansatz, der das Militärische in die allgemeine politische Geschichte einordnet, was oft sinnvoll ist, aber manchmal genuin militärische Entwicklungen zu kurz kommen lässt. Als Beispiele nennt Kilb die Darstellung des Dreißigjährigen Krieges, dessen Bedeutung für Fragen der Kriegstaktik nicht hinreichend von Förster gewürdigt wird, auch die Gründe, die zur Etablierung des preußischen Generalstabs geführt hatten, bleiben im Dunkeln. Außerdem orientiert sich der Autor, kritisiert Kilb, zu sehr an Bernd Wegner, wenn er die Niederlage Hitlerdeutschlands auf einen fehlgeschlagenen Masterplan der Politik zurückführt - und nicht auf unternehmerisches Unvermögen in Militärdingen. Insgesamt überzeugen hier, findet der Rezensent, eher die Passagen zum großen Ganzen als die Feinarbeit. Dennoch stellt das Buch in Kilbs Augen einen wichtigen Beitrag zu einem Forschungsfeld dar, dessen Bedeutung in Zukunft noch anwachsen dürfte.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 22.03.2025
Marc Reichwein bespricht diesen Band zusammen mit Herfried Münklers neuem Buch "Macht im Umbruch - Deutschlands Rolle in Europa". Försters monumentale Studie kann der Rezensent dabei als Standardwerk empfehlen. Es handelt sich hierbei nicht einfach um eine Militärgeschichte, betont der Rezensent, denn Förster bekenne sich zur britischen "War and Society"-Schule, die gesellschaftliche Fragen stets in ihre Thematik einschließt. Von den Bauernkriegen bis hin zur"Zeitenwende" lernt Reichwein, "wie sehr die jüngste Vergangenheit inzwischen als abgeschlossen zu begreifen ist". Die Zeit der seit dem Mauerfall in Deutschland gepflegten komfortablen Sorglosigkeit ist seit dem Ukraine-Krieg und dem Machtantritt Donald Trumps in Amerika für den Rezensenten endgültig vorbei - innerlich festigen könne sich der Leser mit dem vorliegenden Band.