Klemens von Klemperer (1916 - 2012) war ein Widerstandshistoriker aus der Erlebnisgeneration. Nach dem Pogrom im November 1938 floh er in die USA; später half der Emigrant als amerikanischer Soldat, seine Heimat vom Nationalsozialismus zu befreien. Danach studierte er Geschichte an der Harvard-Universität und lehrte vier Jahrzehnte am Smith College in Massachusetts.
Mit seiner Heimat versöhnte ihn der deutsche Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der sein Forschungsschwerpunkt wurde. Unter den Historikern in den USA verkörperte er eine der wenigen Stimmen, die ihm einen ehrenvollen Platz im europäischen Kampf für die Menschenrechte einräumten. Dreißig Jahre lang bestimmte Klemperer die deutsche Widerstandsdiskussion mit. Er baute Brücken zwischen kontroversen Positionen, erkannte die Kritik an den Irrwegen vieler Männer des 20. Juli als berechtigt an, forderte aber die Anerkennung ihrer Bewährung in einer existentiellen Entscheidungssituation. Er würdigte die "einsamen Zeugen", die auf "ungeebneten Wegen" in den Widerstand fanden in einem Land, wo ihnen keine Naturrechtstradition gegen den Obrigkeitsstaat zur Seite stand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2016
Rezensent Rainer Blasius entdeckt in dem von Ekkehard Klausa herausgegebenen Band mit 20 größtenteils bereits veröffentlichen Beiträgen des Historikers Klemens von Klemperer aus den Jahren 1969-2010 sehr lesenswerte Einlassungen zum deutschen Widerstand. So kann ihm der Autor von der Frömmigkeit und der Einsamkeit der Hitler-Gegner berichten und von Widerstandskämpfern, die alleine agierten, wie der Tischler Georg Elser. Klemperer wusste auch durchaus zu differenzieren, so der Rezensent: Während Klemperer dem evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer bescheinigte, die Schwelle zum echten Widerstand überschritten zu haben, vermutete er beim katholischen Bischof Clemens August Graf von Galen, diesem sei es vor allem um das Überleben seiner Institution gegangen. Auch die Interessengegensätze zwischen Widerstand und den Alliierten vermag der Autor herauszuarbeiten, lobt Blasius.
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