Krisztian Grecso

Lange nicht gesehen

Roman
Cover: Lange nicht gesehen
Claassen Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783546004107
Gebunden, 416 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Timea Tanko. Seit dem "großen Streit" war Gergely Galler nicht mehr in Sarasag, dem Dorf in Südungarn, in dem er aufwuchs. An seinem 23. Geburtstag erhält Gergely völlig überraschend einen Anruf von einem alten Schulfreund, er möge sofort heimkehren, wegen der veränderten Zeiten sei jetzt das sogenannte "Klein-Tagebuch" einzusehen, und was da alles über sie und die anderen Sarasager ans Licht käme, könne niemand vorhersehen. Zwei Tage lang holen Gergely die Schatten aus Sarasag ein, die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, eine magische, verrückte Welt voller Rätsel und merkwürdiger Ereignisse. Erst am dritten Tag macht er sich auf die Reise und begibt sich auf die Spuren dessen, was er im "Klein-Tagebuch" zu finden hofft. Als hätte der Allmächtige den Kommunismus nie ganz ernst genommen, zumindest den in Ungarn nicht, entfacht dieser Roman ein erzählerisches Feuerwerk über die vielen Wunder unserer Existenz, von dem wir am Ende verzaubert wieder in unsere eigene Welt zurückkehren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2007

Ihre Aufgabe, eine Rezension über Kristian Grecsos Romandebüt "Lange nicht gesehen" zu schreiben, kommt Judith Leister so vor, als müsste sie "ein Huhn in eine Aktentasche stopfen". Der Roman spielt in einem ungarischen Dorf, in dem die verrücktesten Dinge geschehen, so die Rezensentin. Bewohner plaudern mit Verstorbenen, die wiederum über Herzprobleme klagen, gelegentlich erscheint ein verbannter KZ-Überlebender den Frauen und Mädchen des Dorfes im Traum. Und dann empfängt Tante Pannika auch noch ein Diktat aus dem Jenseits, das die kommunistische Weltordnung bedroht, lesen wir. Die Rezensentin erkennt in dem Roman die Auseinandersetzung postsozialistischer Gesellschaften mit ihrem unterdrückten Erbe von Faschismus, Judenverfolgung und Kommunismus, die ihr die Verwirrung des Romans schlüssig erscheinen lässt. Jedoch ruhe die chaotische Energie des Romans auf einer schwachen Gesamtkonstruktion. Aus produktiver Verunsicherung wird am Ende - besonders wegen des schwachen Schlusses - leider Ratlosigkeit, bemängelt die Rezensentin.
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