Aus dem Persischen von Susanne Baghestani. Was tun, wenn ein Krieg alles vernichtet? Wie dem eigenen Sohn sagen, dass das Dorf zerstört ist, dass die geliebten Menschen tot sind? Auf einer staubigen Landstraße wartet ein alter Mann mit seinem Enkel auf einen Lastwagen. Er ist geduldig, denn der Wagen, der ihn mitnimmt, bringt ihn zwar dem Sohn näher, aber auch dem grausamen Moment der Wahrheit. Atiq Rahimis Roman zeigt Bilder von Afghanistan ? vor allem aber von der gleichgültigen Macht des Krieges zu zerstören, zu trennen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.02.2002
Flammendes Lob hat der seit 1984 im französischen Exil lebende afghanische Autor Atiq Rahimi bei der französischen Literaturkritik eingeheimst. Karl-Markus Gauß jedoch zweifelt nach der Lektüre des Buchs am Verstand seiner Kollegen. Ärgerlich schon findet er, dass diese Erzählung als Roman deklariert wird, obwohl sie selbst durch großzügigen Druck gerade mal auf 100 Seiten gestreckt werden konnte. Eigentlich, so Gauß, belegt der Text nur eines: dass der Autor eines auf gar keinen Fall beherrscht, sein Erzählhandwerk. Über mehr als "bescheidene literarische Mittel" verfüge er nicht, die Erzählperspektive der zweiten Person wirke "unbeholfen" und das Buch künde immer wieder nur vom "Ungeschick des Autors". Eine einzige "große, ergreifende Szene" gibt es, am Ende. Dastagir, der Du-Erzähler, verstößt seinen Sohn, weil der um den Tod der Angehörigen nicht in traditioneller Weise trauerte. Für einen Moment lässt sich hier ahnen, meint Gauß, welch ein "bewegendes Werk" dieses Buch hätte sein können. Das aber ist es nach Ansicht des Rezensenten ganz entschieden nicht geworden.
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