Aus dem Englischen von Ulrich Enderwitz. Was bedeutet es, in einer ehemaligen Kolonie zu leben? Und wie lebt es sich als Kind von Einwanderern fernab der Heimat? Diese Fragen bewegen V. S. Naipaul seit jeher, sie bestimmen auch sein Interesse für den afrikanischen Kontinent. Eine Reise in verborgene Welten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2006
Georg Sütterlin lobt die Anstrengungen des Claassen-Verlags, auch die unpopulären Essays des Nobelpreisträgers V.S. Naipaul endlich zugänglich gemacht zu haben. "Die letzte Kolonie" versammelt Reportagen aus den Jahren 1969 bis 1983, als der aus Trinidad und Tobago stammende Schriftsteller karibische und afrikanische Länder bereiste, die kurz zuvor ihre Unabhängigkeit zurückerhalten hatten. Naipaul erweise sich als genauer und analytischer Beobachter und exemplifiziere an der Orientierungslosigkeit des karibischen Kleinstaats Anguilla das Scheitern dieses schwierigen Prozesses. Anguilla, das heute wieder ein British Dependent Territory ist, sei ein "Stück über Bord gegangenes Treibgut des imperialen Schiffs" zitiert Sütterlin den Autor. Patentrezepte oder optimistische Prognosen dürfe man sich von den Reportagen nicht erwarten, so der Rezensent. Naipaul gehe es vielmehr darum, Verständnis für Länder zu entwickeln, die sonst politisch und wirtschaftlich international nicht wahrgenommen würden.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 19.10.2005
Lohnenswert findet die Rezensentin Renee Zucker die Lektüre dieses Geschichten-, Biografien- und Essaysammlung eigentlich nicht - auch wenn das Buch ein paar spannende Passagen enthält. Vor allem, wenn man an der schriftstellerischen Entwicklung des Autors V.S. Naipaul ein Interesse hat, liefern diese mehr als 25 Jahre alten Essays interessante Einblicke: "Schön wird es immer bei ihm, wenn er über andere Schriftsteller schreibt." In deisen Passagen spüre man "eine Zärtlichkeit, Geduld und ein Wohlwollen, wie er es manchmal seinen Mitmenschen gegenüber vermissen lässt." Über das Afrika der Gegenwart - beziehungsweise die karibische Staaten, denn da findet ein Großteil seiner Streifzüge statt - erfährt der Leser indes wenig, Statt dessen werde "Fakt an Fakt" gereiht, und wer nicht gerade ein außerordentliches Interesse an der Karibik pflegt, amüsiere sich bei der Lektüre nur "in Grenzen".
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