Festschrift für Wolfgang Emmerich zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von Heinz-Peter Preußer und Matthias Wilde. Klages liest George, Schmitt liest Kafka, Heidegger liest Jünger, Adorno liest Mörike, Nussbaum liest Beckett und Bhabha liest Rushdie. Kulturphilosophen schöpfen ihre Inspiration aus der Lektüre literarischer Werke. Dabei lesen sie in diese fachfremden Texte ihre eigene Theorie hinein. Aber das Gelesene wehrt sich, windet sich und schwingt als Subtext im philosophischen Werk mit, den es generiert hat. Lesen bedeutet häufig Missverstehen; aber Missverstehen gebiert neue Einsichten in die anscheinend bekannte Welt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.01.2007
Nicht ungern hat sich Ralf Berhorst auf diese Aufsatzsammlung eingelassen. Lesenswert findet er zum Beispiel Gert Sautermeisters Verortung von Adornos historisierenden Lyrik-Interpretationen in einem Umfeld der Geschichtslosigkeit der Kunst. Wenn Berhorst in Beiträgen über Lese- und Interpretationsweisen bei Levi-Strauss und Nietzsche erfährt, wie Lektüren ins Träumerische abdriften, findet er das zwar aufschlussreich, jedoch erscheinen ihm die Kulturphilosophen in ihrem Umgang mit Texten auch nicht eigenwilliger als jeder andere Leser. Interpretation, so erinnert uns Berhorst, ist doch alles andere als objektiv und voraussetzungslos. Das gilt für Karl Marx und Sigmund Freud wie für jeden anderen Leser.
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