Pätzold gehört zu den Granden der Zunft. Er wurde wegen seiner Forschungen und Publikationen zum Thema Faschismus und Judenverfolgung schon früh und weit außerhalb der DDR gerühmt. Nun legt der Mittsiebziger seine Memoiren vor. Sie sind mehr als nur die Lebensbilanz eines Wissenschaftlers: Es ist die literarisch ambitionierte Auseinandersetzung eines Marxisten mit der Welt. 1973 habilitierte sich Pätzold an der Humboldt- Universität zu Berlin mit "Kurt "Faschismus, Rassenwahn, Judenverfolgung". Das sollte sein Lebensthema werden. Auch die nachfolgenden Arbeiten "Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung" oder "Pogromnacht 1938" sowie die Untersuchung zur Wannsee-Konferenz (mit Erika Schwarz) galten als bahnbrechend, er erwarb sich mit seinen Forschungen internationalen Ruf. Pätzold, der aus seiner politischen Haltung nie einen Hehl gemacht hat, gehört unverändert zu den publizistisch aktivsten und kritischsten Vertretern seiner Zunft. Seine Erinnerungen gehen über eine traditionelle Autobiographie hinaus: Es handelt sich zugleich um eine fundierte Auseinandersetzung mit den zwei unterschiedlichen Arten von Geschichtsschreibung in der BRD und der DDR und dem aktuellen Geschichtsrevisionismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.07.2008
Franziska Augstein hat interessiert in Kurt Pätzolds Memoiren gelesen, weil sie nicht nur ein Schlaglicht auf das Leben des DDR-Historikers, sondern auch auf die DDR selbst werfen. Im Ton überwiegt der Trotz, stellt die Rezensentin fest und attestiert den Lebenserinnerungen insgesamt gute Lesbarkeit, wobei sie gerade die "sachlich-gelassenen" Passagen am besten fand. Pätzold, dessen Spezialgebiet als Historiker der Holocaust und das Naziregime ist, war seit Ende des Zweiten Weltkrieges Kommunist und ist bis heute der Meinung, dass die DDR ein gutes politisches System war, erklärt Augstein. Trotzdem biete das Buch neben den lesenswerten Kindheitserinnerungen Einblick in so manche Absurdität der Geschichtspolitik der DDR, etwa, dass der Hitler-Stalin-Pakt zwar an der Universität und in den "Exportausgaben" der Forschungsliteratur erwähnt werden durfte, in den Schulen dagegen unter allen Umständen verschwiegen werden musste.
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