Kurt Prödel

Klapper

Roman
Cover: Klapper
Park X Ullstein, Berlin 2025
ISBN 9783988160249
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

2011. Klapper ist 16 und hat die Sommerferien alleine vor seinem Computer verbracht. Am ersten Schultag kommt Bär in seine Klasse - und setzt sich neben ihn. Groß, stark und unbeeindruckt von sozialen Normen, ist sie die Einzige, die Klapper, den blassen Nerd mit langen Haaren und knackenden Gelenken, nicht wie einen Außenseiter behandelt. Und genau wie er liebt sie das Zocken. Klapper merkt immer mehr, dass er sich in Bärs Gegenwart unverwundbar fühlt. Doch während seine Gefühle genau wie ihre Freundschaft wachsen, steuern sie gemeinsam auf den Tag zu, der alles ändert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.04.2025

Rezensent Benedikt Herber ist noch nicht so ganz überzeugt, dass Menschen, die lustige Social Media-Accounts betreiben, auch unbedingt gute Romane schreiben können, "El Hotzo" Roman ist für ihn gefloppt, aber wie sieht es mit Kurt Prödel aus, der nun sein Debüt vorlegt? Es geht um den titelgebenden "Klapper", der von seinen Mitschülern so genannt wird, weil seine Gelenke nicht zu knacken aufhören wollen, und "Bär", die neu in seine Klasse kommt und in die er sich verguckt, wie wir erfahren. Zwischen Counter-Strike und Kollegah gelinge es Prödel, allerhand Distinktionsmerkmale der frühen 2010er Jahre aufs Korn zu nehmen, das sei lustig, gerade deshalb, weil in der Überzeichnung ein wahrer Kern liege. Herber merkt dem Buch aber auch an, dass es ziemlich schnell geschrieben wurde, er stört sich etwa daran, dass beinahe jedem Adjektiv das Attribut "knall-" vorgeschoben wird, aber noch viel mehr daran, dass weder Autor noch Leser wissen (können), ob der Roman Coming of Age-, Mobbing- oder Zockergeschichte sein soll. Für den Kritiker ist das schade, denn die Figurenzeichnungen zeigen durchaus, dass Prödel Talent zum Erzählen hat, wie er schließt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.03.2025

Eine hymnische Besprechung widmet Clemens J. Setz diesem Roman von Kurt Prödel, auf den er lange gewartet hat. Manchmal übernehme ein Autor die "Rolle eines geeigneten Wirtskörpers", bis der Roman plötzlich bereit sei, erklärt Setz zu der Geschichte um den sechzehnjährigen Klapper, dessen klappriger Körper ihm diesen Spitznamen verpasst hat, und Bär, die eines Tages neu in seine Klasse kommt. Zwischen "Counter-Strike und Kollegah-Lyrics" entwickeln die beiden eine eigene Sprache und verlieben sich, erfahren wir, darüber hinaus besucht Klapper seine Mutter in der Psychiatrie, Bär ist für ihre Geschwister verantwortlich, weil Eltern manchmal "kompetenztechnisch einfach plötzlich zusammenklappen." Ein Roman, der mit seiner Orientierung zwischen Computerspielen, erster Verliebtheit und Freundschaft und der wunderbar frischen Sprache für Setz ziemlich meisterhaft ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2025

Kritikerin Christiane Lutz fühlt sich bei Kurt Prödels Debütroman an Klassiker des Coming-of-Age-Genres erinnert, auch wenn er diese Marken noch nicht ganz erreicht: Im Zentrum steht Thomas, der wegen seiner knackenden Gelenke Klapper genannt wird, keine Freunde hat und sich seiner Uncoolness bewusst ist. Erst als Bär in seine Klasse kommt, weil sie sitzen geblieben ist, ändert sich was: Die beiden spielen zusammen Counter Strike, verlieben sich und können dabei ein bisschen vergessen, dass ihre Eltern Alkoholiker beziehungsweise tablettensüchtig sind, schildert Lutz. Dieser Roman "über ihr Innen" überzeugt sie vor allem durch die Sprache, die ihren Helden Zeitgeist und Nahbarkeit verleiht, etwa wenn Klapper in einem Laden zum "Übersprungsstöbern" verleitet wird, weil er sich für seinen Vater schämt. Da stört es die Rezensentin auch weniger, dass die Nebenfiguren ein bisschen platt bleiben und Prödel beim Erzählen manchmal noch nicht ganz sicher scheint.

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