Er ist Rezensent von Computerspielen, angestellt bei einem Magazin, und bis vor einem Jahr war nichts Auffälliges an seinem Leben. Bis auf einmal, in einem durch nichts hervorgerufenen Moment, die Vergangenheit wirklich vergangen war und die Zukunft vor ihm lag wie "eine sich trist ausdehnende Ebene ohne Richtung". In der Zeitspalte dazwischen, die vielleicht so etwas wie ein Gegenwarts-Level ist, tastet er sich am scheinbar Vertrauten entlang, besucht seinen Bruder im großelterlichen Haus, fährt nach Brünn, um dort einen Spieleerfinder zu interviewen, trifft aber nur dessen Schwester - nur? -, kehrt zurück und hat im selben Moment, wo er alles hinter sich lässt, das Gefühl, noch alles vor sich zu haben.
Xaver Bayers Roman "Weiter" erzählt nicht vom großen, sondern vom kleinformatigen Scheitern, bemerkt der angenehm berührte Rezensent Julian Weber. In "nüchternem, emotionslosen und klaren" Tonfall beschreibe Bayer, wie sein namenloser Ich-Erzähler, ein Tester von Computerspielen, allmählich eine Art Realitätsverlust an sich selbst beobachtet. Der Protagonist bemerkt, wie die parallele Wirklichkeit der Computerspiele seine Fähigkeit zum Vorausdenken geschärft hat, wie aber gleichzeitig sein Kommunikationsvermögen verkümmert. In seinem Psychogramm verzichte Bayer erfreulicherweise auf erschöpfende Erklärungen und schildere die Erlebnisse seiner "unbeholfenen" und schwelend verzweifelten Figur auf "beiläufige, drastische", aber durchaus humorvolle Art und Weise, lautet das zufriedene Fazit des Rezensenten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2006
Bayer erinnert immer noch an Handke, meint Rezensent Leopold Federmair durchaus lobend, allerdings mittlerweile eher an die frühen experimentellen Texte. Als maximale "Wahrnehmungsprosa" beschreibt der Rezensent die minimalen Ereignisse der äußeren Handlung, nachdem der Held einen kleinen Diebstahl begangen hat. Xaver Bayer beherrsche dieses Genre "meisterhaft" und verzeichne jede der zahlreichen äußeren oder inneren "Erschütterungen" seismografisch genau. Während der frühe Handke noch utopische und positive Ausblicke geboten hat, leide Bayers Held an einem umfassenden Verlust der Sehnsucht. Der Rezensent sieht darin eine Reaktion auf die Utopien einer Computerspielgeneration, der der Held und Xaver Bayer gleichermaßen angehörten. Um "Überdruss" gehe es hier, diagnostiziert Leopold Federmair, und wie man ihn weiter aushält, auch nach dem schlüssigen Doppelpunkt, mit dem der Roman ende.
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