Aus dem Englischen von Michael Bischoff. In den politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart wird immer wieder eine Kategorie aufgerufen: Identität. Wer sind wir? Oder besser: Was sind wir? Diese Fragen beantworten wir gewohnheitsmäßig mit kollektiven Kategorien wie Religion, Nationalität, Hautfarbe, Klasse oder Kultur. Kwame Anthony Appiah zeigt, dass hinter den politischen Kategorien von Zugehörigkeit und Abgrenzung häufig paradoxe Zuschreibungen stehen, und schöpft dabei aus einem schier unendlichen Reservoir historischen Wissens sowie persönlicher Erfahrungen - und schafft mit dem Handwerkszeug des Philosophen Ordnung und Orientierung in einer häufig unübersichtlichen und politisch brisanten Diskussion.
Anne-Kathrin Weber entdeckt im Buch des Philosophen Kwame Anthony Appiah Thesen, die die aktuellen politischen Debatten um Identität zwar gelegentlich nur wiederholen, oft genug aber auch erweitern und befruchten. Die für das Buch zentrale Erkenntnis, dass Identitäten nichts Statisches sind, sondern konstruiert, interpretiert, transformiert und aktualisiert werden, erscheint Weber allemal bedenkenswert. Die Beispiele, mit denen der Autor seine Aussagen über die Komplexität von Identitäten illustriert, findet Weber "horizonterweiternd", da sie aus verschiedenen Kulturen stammen. Zu leichten Ermüdungserscheinungen führen die anekdoteneichen Deskriptionen des Autors bei Weber allerdings auch. Mehr Analyse wäre der Rezensentin lieber gewesen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.10.2019
Der in New York lehrende Philosoph Kwame Anthony Appiah kann der Rezensentin Miriam Schellbach zeigen, wie fluide und ungenau Identität als Kategorie ist, wenn sie Individuen zugeschrieben wird.Spannend findet Schellbach auch, wie Appiah afrikanische und asiatische Philosophien einführt, die das Subjekt als mobile und komplexe Nichteinheit denken. Dass er Identitäten dann als Vehikel der gesellschaftliche Auseinandersetzung durchaus wichtig findet, überrascht die Rezensentin. Und auch wenn sie am Ende mit Appiahs Ablehnung des Konzepts kultureller Aneingnung nicht d'accord geht, empfiehlt sie diese autobiografisch geprägte Schrift als sympathisch und unterhaltsam.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.09.2019
Ingo Arend empfiehlt das Buch des Philosophen Kwame Anthony Appiah gegen das Gerede von Identitäten und für den "kulturellen Mischmasch". Den Essay liest er als Lob der Vielfalt, das die Gegenwart nicht erklären will, sondern an Beispielen zeigen, dass Religion, Geschlecht und Kultur vielfältig waren und sind. Differenziert und kulturhistorisch bewandert geht der Autor dabei vor, versichert Arend, auch wenn er nicht immer Neues berichtet und sich bei früheren seiner Texte bedient. Dass der Autor mit seinem Buch Identitäre wird überzeugen können, möchte Arend allerdings bezweifeln.
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