Steffen Mau

Lütten Klein

Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft

Klappentext

Steffen Mau wächst in den siebziger Jahren im Rostocker Neubauviertel Lütten Klein auf. Als die Mauer fällt, ist er bei der NVA, nach der Wende studiert er, wird schließlich Professor. Währenddessen kämpft seine Heimat mit den Schattenseiten der Wiedervereinigung: Statt blühender Landschaften prägen verrostende Industrieruinen die Szenerie. Mit der neuen Freiheit und dem Massenkonsum kommen Erfahrungen sozialer Deklassierung.30 Jahre nach 1989 zieht Mau mit dem ebenso scharfen wie empathischen Blick eines Lütten Kleiner Soziologen Bilanz.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2019

Laut Rezensentin Anja Maier hat sich der Rostocker Soziologe Steffen Mau in diesem Buch dem "Leben in der ostdeutschen Transformationsgemeinschaft" gewidmet. Dabei zeige er gezielt, welche widersprüchlichen Haltungen und Gefühle die Menschen gegenüber der Einheit haben. Er belege, dass die DDR nicht nur ein repressives Land war und dass beim Mauerfall weniger ein Zusammenschluss als eine übergangslose Angleichung der DDR an den Westen erfolgt sei, wodurch etliche der heute bemängelten Ost-Probleme entstanden seien. Ein kluger Kopf, meint die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2019

Frank Pergande kann nicht alle von Steffen Maus Beobachtungen von der Hand weisen. Wenn Mau etwa den Erfolg der AfD und anderer Rechtsextremer im Osten erklärt, dann spürt der Rezensent, dass der Soziologe weiß, wovon er spricht. Wenn Mau aber über die DDR und die Wende schreibt, will Pergande die Ausführungen des in der DDR Aufgewachsenen nur als "Provokationen" gelten lassen. Pergande überrascht der wohlwollende Ton, mit dem Mau über das Rostocker Neubaugebiet Lütten Klein schreibt (Pergande besteht westdeutsch auf "Plattenbaugebiet", das klingt schließlich abwertender), er zweifelt an Maus These, dass die fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten der jüngeren Generation die Unzufriedenheit in der DDR beförderte (die Menschen wollten Freiheit, insistiert Pergande), und ganz gegen den Strich geht es dem Rezensenten, dass Mau die Einigung als Übernahme beschreibt, die zu Massenarbeitslosigkeit, Deklassierung und gebrochenen Biografien führte.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.08.2019

Rezensentin Silke Hasselmann empfiehlt Steffen Maus Sozialgeschichte des deutschen Ostens als vielschichtiges Sittengemälde, das die Transformation der vergangenen dreißig Jahre persönlich und soziologisch untersucht und dabei, wie Hasselmann befindet, zu interessanten Ergebnissen kommt. Von Mau lernt Hasselmann, dass sich die Unterschiede zwischen Ost und West mitnichten abschleifen, dass die DDR viel bedenkenloser an eine nationale Identität anknüpfte als der Westen und dass Ostdeutsche erschöpft sind von ständigen Anpassungserwartungen. Einen ganz neuen Blick verdankt die Rezensentin dem Autor, wenn er die erlahmte soziale Mobilität in der DDR behandelt. Ganz ähnlich wie westliche Industrieländer konnte auch die DDR in den siebziger und achtziger Jahren die Aufstiegsaspirationen nicht mehr bedienen, die so mühelos aufgestiegene Gründergeneration lag wie Blei über den Nachfolgenden. Auch ein Grund für die große Frustration.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.08.2019

Rezensent Burkhard Müller geht harsch ins Gericht mit dem Buch des Soziologen Steffen Mau, der mit Blick auf die Rostocker Neubausiedlung Lütten Klein klären will, woher die Wut im deutschen Osten kommt. Doch dem Rezensenten zufolge gelingt es Mau nicht, den Blick des Soziologen mit dem des Rostockers zu verbinden. Eher fielen wie bei einem Schielenden die Sichtachsen auseinander, meint Müller, der das Nebeneinander von Wissenschaftlichem und erlebten Anekdoten nicht nur recht flapsig findet, sondern auch wenig Erkenntnis fördernd. Überhaupt vermisst Müller Reflexion: Kopfschütteln über demokratische Defizite, ausweichende Antworten und ein lauer Abriss der Transformationsgesellschaft reichen ihm nicht.
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