Aus dem Russischen von Eugen H. Schmitt, Albert Skarvan, Christiane Körner. Geleitwort von Volker Schlöndorff. Nachwort von Ulrich Schmid. Buchgestaltung von Heiko Hortsch. Mit Fotobildern. Tolstoi hat große Gedanken und Einsichten, "den Verstand stärkende und das Herz erfüllende" Erkenntnisse nach Themen sortiert den 365 Tagen des Jahres zugeordnet, um sich jeden Tag aus dieser Quelle seines Denkens und Handelns zu vergewissern. In diesen Zitaten und Reflexionen kommen seine Grundüberzeugungen zum Ausdruck: Gewaltlosigkeit, Ablehnung des Krieges und des Kriegsdienstes, Achtung und Respekt auch vor den Tieren, Bedürfnislosigkeit und die Nützlichkeit der Landarbeit, Ablehnung des Eigentums und bedingungslose Nächstenliebe, Ablehnung der kirchlichen Institutionen - um nur einige der wichtigsten Punkte zu nennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.12.2010
Lew Tolstois "Für alle Tage - Ein Lesebuch" hat Rezensent Arno Widmann sichtlich beeindruckt. Er beschreibt das Buch als ein Werk des asketischen Tolstoi, als ein Werk, das man als "Propagandaschrift für das einfache Leben" ansehen kann. Und doch ist das Buch in seinen Augen viel mehr, viel mehr auch als eine mächtige Sammlung von Zitaten zur täglichen Lektüre: ein Versuch nämlich, einen Text zu schaffen, der wie eine Heilige Schrift zu lesen ist. Die Forderung eines solchen Texts freilich widerspricht seines Erachtens modernen Lesegewohnheiten. So weist er darauf hin, dass jedem dieses Werk fremd bleiben wird, der es liest, um informiert zu werden. Der Rezensent, der, wie er berichtet, seit der Lektüre des Buchs, bei aller Ambivalenz und Skepsis, selber eine Sehnsucht nach dem einfachen Leben verspürt, versteht das Werk vor allem als "Ausdruck eines Verlangens, sich klar zu werden über sich selbst".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2010
Nicht wirklich glücklich zeigt sich Rezensent Felix Philipp Ingold mit den gesammelten Lebensweisheiten Lew Tolstois. Das erstmals 1906 und nunmehr originalgetreu übersetzt und erläutert vorliegende Brevier scheint Ingold doch reichlich moralinsauer und höchstens in Momenten, da es ewige Werte (die Gebote etwa) behandelt, von bleibender Relevanz. Als anthropologische und literaturhistorische Hilfestellung bei der Bewertung Tolstois taugt es dem Rezensenten allerdings insofern, als es Zeugnis gibt von dessen Anmaßung in Bezug auf die Vertrautheit mit Gottes Reich und auf die synthetisierende und amalgamierende Aneignung fremder Gedanken und Texte von Heraklit bis Tschechow. Nicht nur Quellen- oder Autorenangaben sucht Ingold in Tolstois "Lebensbuch" vergebens. Auch eine Warnung vor Trivialitäten und Peinlichkeiten und pauschalen Urteilen.
Nun nehme sich der Westen endlich wieder dieses russischen Klassikers an, freut sich Ursula Keller über diesen "sorgfältig übersetzten" und edierten Band mit später religiöser Prosa von Leo Tolstoi. Es handele sich um ein ethisches Projekt, das dem Leser ein tägliches Lektürepensum auferlege - weshalb der dreieinhalb-Kilo-Wälzer auch nicht als Bettlektüre geeignet sei. Gelobt wird auch das "kluge Nachwort" von Ulrich Schmid sowie ein sehr persönliches Geleitwort von Volker Schlöndorff.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…