Aus dem Italienischen von Monika Lustig. Die wahre Geschichte einer unglaublichen Fälschung im sizilianischen Palermo zu Ende des 18. Jahrhunderts.
Das ägyptische Konzil entwirft lakonisch, amüsant und ironisch eine raffinierte Allegorie um Macht, Betrug und Verrat. Während der Adel bei galanten Festen und Spielen die Ständegesellschaft verteidigt, träumen junge Liberale von der Aufklärung nach französischem Vorbild. Don Giuseppe Vella, Maltesermönch, nutzt die Gunst der historischen Stunde am Hof des Vizekönigs zum großen Betrug. Des Arabischen zwar kaum mächtig, gibt er eine Biografie des Propheten gleichwohl als Kodex aus, der die feudalen Privilegien des sizilianischen Adels festschreibt. Dafür mit Luxus belohnt, zum Abate und zum Arabisten an der Universität aufgestiegen, erfindet er nun eine neue Sammlung, "Das ägyptische Konzil". Er fälscht Dokumente in einem Pseudoarabisch, für dessen Übersetzung ins Sizilianische sich nun alle interessieren, der König, der Klerus, der Adel es geht um ihre Macht. Es ist ein kolossaler Betrug, der Abate Vella gefährlich wird und Sizilien ins politisch-religiöse Chaos stürzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2016
Oliver Jungen mag Leonardo Sciascia, der sich Siziliens Geschichte gleichermaßen als Schriftsteller und kommunistischer Politiker eingeschrieben hat, und deswegen liest er auch seinen neu übersetzten Roman aus dem Jahr 1963 mit Wohlwollen und Vergnügen. "Das ägyptische Konzil" erzählt von einem Maltesermönch, der sich am Ende des achtzehnten Jahrhunderts als genialer Fälscher dem Vizekönig von Neapel andient, indem er normannische Schriften erfindet, die der Krone die Herrschaft über Sizilien verheißt, nicht den Baronen. Scharfsinnig und vergnüglich findet Jungen diese Parabel, solange Sciascia mit Lakonie und Leichtigkeit die Korruption des sizilianischen Adels vorführt, der bei ihm eher dekadent als bösartig erscheint. Wenn er am Ende seine Botschaft zu direkt verbreitet, dann rutscht die "verrückte Improvisation" in den Augen des Rezensenten zu sehr in die "engagierte Agitation".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.10.2016
Rezensent Christian Thomas lobt insbesondere Maike Albaths instruktives Nachwort zu diesem Roman, das ebenso anregend wie "entspannt" an die große Bedeutung Leonardo Sciascias als Schriftsteller, autonomer Intellektueller, Abgeordneter der radikalen Linken und "moralische Instanz" Italiens, erinnert. Auch mit der Neuübersetzung von Monika Lustig, die dem Original treu bleibt, ist der Kritiker zufrieden. Und so hat er Sciascias Roman "Das ägyptisches Konzil", der ironisch und satirisch vom Betrug des Mönches Giuseppe Vella erzählt, der kurz vor der Französischen Revolution ein Dokument fälscht, das die Privilegien der sizilianischen Barone wahren soll, gern noch einmal gelesen.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…