Aus dem Chinesischen von Martina Hasse. Das ganze Ausmaß männlicher Brutalität und die monströsen Folgen des chinesischen Patriarchats vom siebzehnten Jahrhundert bis in die heutige Zeit schildert Li Ang, wichtigste, politische Streitfragen wie weibliche Sexualität thematisierende Schriftstellerin Taiwans in ihrem neuen Roman. Die Hauptfiguren sind fünf janusköpfige Chinesinnen, die nach amourösen Abenteuern alle wegen der ihnen angetanen Gewalt zu Rachegeistern werden. In der Grauzone zwischen Leben und Tod setzen die Frauen ihren eigenen Willen durch und finden sich selbst... Dreihundert Jahre Geschichte Taiwans findet der Leser in diesem farbenprächtigen Geisterkrimi spannend, exotisch und historisch genau recherchiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.10.2007
Rezensent Ralf Hertel findet den Subtext des Buches offenbar interessanter als die erzählten Geschichten. An denen stört ihn, dass die Hauptfiguren allesamt etwas blass bleiben, weil die Autorin Li Ang ihnen "kein Eigenleben zugesteht". Das ist zwar möglicherweise durchaus beabsichtigt, so gesteht Hertel zu, schließlich handelt es sich um Geister. Doch dem Lektürevergnügen scheint es abträglich zu sein. Zugleich findet er die Geschichten überfrachtet, denn "nichts ist ohne Bedeutung", und auch an der Übersetzung von Martina Hasse stört er sich ein wenig. Dafür gibt es zur Freude des Rezensenten hinter der nicht so überzeugenden Erzählkulisse eine zweite Ebene zu entdecken. In der geht es um die kulturelle Autonomie Taiwans ebenso wie um den gesellschaftlichen Stand der Frauen. Die Autorin ist in ihrer Heimat eine bekannte Feministin, wie der Rezensent zu berichten weiß, und deshalb ist das Buch "trotz spiritueller Thematik das eminent politische Werk einer doppelten Befreiung: jener der Frau und jener Taiwans".
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