Aus dem Englischen von Susanne Höbel. Der Sommer 1989 wird in "Peking Koma" zum neuralgischen Punkt der Entwicklung eines Landes, das unter dem Zeichen der Befreiung jahrzehntelang von Mao Tsetung mit mörderischen Kampagnen überzogen wurde und das bis heute keinen Weg gefunden hat, mit seinen Hinterlassenschaften und den Verwüstungen in den Seelen der Menschen umzugehen. Protagonist und Erzähler ist Dai Wei, 23, Student der Molekularbiologie an der Pekinger Universität, der seine Doktorarbeit vorbereitet. So etwas wie Privatsphäre ist praktisch unbekannt, in den engen Wohnungen der Familien und erst recht in den Studentenwohnheimen auf dem Campus. Alles, was geschieht, findet vor aller Augen statt, Diskussionen, Liebesbeziehungen, alles Persönliche. Auch das trägt dazu bei, dass das Brodeln immer stärker wird. Als die Panzer den Protesten auf dem Tiananmen-Platz ein blutiges Ende bereiten, wird Dai Wei von einer Kugel lebensgefährlich am Kopf verletzt und liegt ab da im Koma. Bei wachem Geist eingesperrt in einen bewegungsunfähigen, tot wirkenden Körper, erinnert er sich...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2010
Mächtig beeindruckt zeigt sich der Rezensent Ludger Lütkehaus von diesem beeindruckend mächtigen, mehr als tausend Seiten starken Roman. Der Autor lebt seit vielen Jahren im Londoner Exil und nimmt sich die Freiheit, die jüngste chinesische Geschichte seit den achtziger Jahren als Katastrophengeschichte zu erzählen. Der Titel des Romans ist dabei wörtlich zu nehmen, da der Ich-Erzähler beim Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens angeschossen und ins Wachkoma befördert worden ist. Erst am ersten Tag des neuen Jahrtausends wird er daraus erwachen. Das Buch ist jedoch nicht linear erzählt - in weiteren Zeitebenen wird sowohl die Vorgeschichte des Massakers als auch die brutale Stadtsanierung im Vorfeld der Olympischen Spiele beschrieben. Nicht alle der noch einmal dazwischen geschobenen sprachlich anders (teils lyrisch, teils szientifisch) gehaltenen Passagen überzeugen den Rezensenten vollständig. Er hat dennoch nicht den mindesten Zweifel, dass dies ein "großer", ein "nicht zu vergessender Roman" ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Sehr viel erfahren wir nicht über den Erzählstil des Autors. Unendlich detailliert, so erklärt Rezensentin Elisabeth Dietz immerhin, beschreibe Ma Jian in seinem Roman die Entwicklungen zur Tragödie 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Peking. Des Weiteren beschränkt sich Dietz darauf, uns die Handlung des Buches zu referieren. Die allerdings hat es offenbar in sich. Schonungslos wirkt der Text mit seinen Einzelheiten über den infolge einer Polizeikugel komatösen Studenten Dai Wei, über die Enge und Prüderie im China der 70er und 80er Jahre auf die Rezensentin. Dass der Autor derart unbequem gegen das von Chinas Regierung verordnete Vergessen anschreibt, flößt ihr Respekt ein.
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