Eigentlich ahnt er es seit seinem sechsten Lebensjahr. Doch aus Sorge darüber, wie sein Umfeld reagieren könnte und weil ihm Begriffe wie trans, queer, nicht-binär fehlen, verschweigt Linus lange, wer er wirklich ist. Mit dem Satz "Ich bin Linus" beginnt im Sommer 2017 sein neues Leben, das endlich nicht mehr von Scham, sondern Befreiung geprägt ist. Offen erzählt Linus Giese von seiner zweiten Pubertät, euphorischen Gefühlen in der Herrenabteilung, beklemmenden Arztbesuchen, bürokratischen Hürden, Selbstzweifeln, Freundschaft und Solidarität, von der Macht der Sprache und digitaler Gewalt. Seit seinem Coming-Out engagiert sich Linus für die Rechte von trans Menschen. Vor allem im Netz, aber nicht nur dort, begegnet ihm seither immer wieder Hass. Doch Schweigen ist für ihn keine Option.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2020
Sehr freundlich bespricht Rezensentin Nora Noll das Buch des trans Mannes, der ihr einiges erklärt hat - und nicht nur, wie eine "Peniskonstruktion funktioniert" und manch Praktisches mehr. Gelernt hat sie auch, wie schmerzhaft das sture Zuordnen von binärer Geschlechtlichkeit für trans Menschen ist - und dass der Ausdruck "Transmensch" vom Autor abgelehnt wird, weil er sich wie eine unterlegene "Subkategorie" anhört. Aber der Autor hat nicht nur Erfahrungen - schmerzhafte und euphorische - mitgeteilt, so die Kritikerin, sondern auch für alle nachvollziehbar die Genderfrage aus dem Blickwinkel der Nicht-Zugehörigkeit zur Norm durchdekliniert. Manchmal erscheint ihr das ein wenig erzieherisch bemüht - und ist nicht einer, der sich zum Mann erklärt, nicht auch im Binären gefangen? - dann aber auch wieder radikal. Eine klare Lese-Empfehlung!
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