Jana Doktor ist fast dreißig, frisch getrennt und vorübergehend wieder bei den Eltern eingezogen. Ihr Studium dümpelt vor sich hin, nach einem One-Night-Stand ist sie schwanger, alles gerade nicht so Gold also. Soll sie das Kind bekommen oder lieber nicht? Den einzigen ihr nahestehenden Menschen, ihren Bruder - queer, glücklich verheiratet und neuerdings Vater -, mag sie diesmal nicht ins Vertrauen ziehen, er hat genug um die Ohren. In einem Kölner Imbiss begegnet Jana einer Frau, die so ganz anders ist als sie: selbstbewusst und klar. Aber auch Miral steht an einem Wendepunkt. Spontan begeben sich die beiden Frauen auf einen Road-Trip nach Italien, der für Jana ein unerwartetes Erlebnis bereithält: eine Epiphanie?
Das Thema Mutterschaft ist nicht wirklich neu, räumt Rezensentin Meike Feßmann ein, dennoch fügt Lisa Roy in ihrem zweiten Roman einen interessanten Spin hinzu. Ihre Protagonistin Jana ist zurück ins Kinderzimmer gezogen, wird auf dem zehnjährigen Abiturtreffen schwanger und weiß nicht, was sie tun soll, resümiert Feßmann, Gespräche mit ihrem Bruder machen klar, dass es mit einem Kind mit der Freiheit erstmal vorbei ist. In einer Kneipe trifft Jana auf Miral, Mutter und Podcasterin, mit der sie nach Italien reist, wo die religiösen Motive in den Roman eintreten, wie die Kritikerin erklärt: Jana trinkt Weihwasser und fühlt sich zu einer Marienfigur hingezogen, der Roman gerät "ins Schweben", vielleicht ist Miral eine geistartige Heilige? Für Feßmann ist es, trotz einiger überdeterminierter Elemente, beeindruckend, wie Roy die Waage zwischen religiösen Motiven und realistischen Gemeinschafts- und Mutterschaftsüberlegungen hält und dabei zwischen Nachdenklichkeit, Verletzlichkeit und Marienkult zu navigieren weiß.
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