Noch immer lebt Lola Randl im Großen Garten, weit weg vom Gewimmel der Großstadt. Hier glaubt sie, den Neurosen der Städter entkommen zu können. Als sich im Frühjahr 2020 ein neues Virus mit kronenartigen Zacken über den gesamten Erdball ausbreitet, stellt sich jedoch schnell die Frage, wie abgeschieden man hier draußen wirklich ist. Die Erzählerin wird von Fieber und Husten heimgesucht und ist sich sicher: Sie hat das Virus längst. Es dauert nicht mehr lange und die gesamte Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Niemand weiß wirklich, wie am besten zu verfahren ist. Täglich machen neue Schreckensnachrichten die Runde, während sich eine völlig ungekannte Angst ausbreitet. Alle sollen Abstand zueinander halten, möglichst nicht mehr vor die Tür gehen. Aber gilt das auch hier in der Einöde? Und überhaupt: Wie sagt sie den anderen im Dorf, dass sie eine Gruppe Städter eingeladen hat? So sehr sie auch versucht, die Situation möglichst rational zu erfassen: Nichts wird bleiben, wie es ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.10.2020
Rezensent Gustav Seibt zieht mit Lola Randl aufs Land und schaut auf die Pandemie. Nicht mehr 1:1 in Tagebuchform, sondern 1:1,5 - mit eingezogenem Abstand also. Als "Traktat-Roman" nähert sich das Buch der Gegenwart im Lockdown laut Seibt definitorisch. Was ist eine Herde, was bewirkt Home-Schooling? In solchen Fragen und Betrachtungen fasst die Autorin die Lernprozesse der letzten Zeit für Seibt noch einmal zusammen. Nebenher laufen: eine Affäre, ein Drehbuchprojekt und die Kinder. Ein Register im Buch erleichtert Seibt beim Lesen das Springen zwischen "Verschwörung" und "Virologen".
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