"Tarnen und Täuschen": Unter diesem Motto ließe sich die kurze, aber ereignisreiche Geschichte der Atomwirtschaft zusammenfassen. Ob Adenauers Atombombenpläne oder das Festhalten an angeblich sicheren Endlagern - immer wieder wurde die Öffentlichkeit gezielt belogen oder desinformiert. Die Autoren arbeiten ein Stück deutsche Zeitgeschichte auf: von der Atom-Euphorie der Nachkriegszeit über die Entstehung der Anti-Atomkraft-Bewegung bis zum endgültigen Aus der Risikotechnologie. Sie beleuchten eine von illusionärem Optimismus, vielfältigen Machtinteressen und ehrgeizigen Spekulationen geprägte Epoche und zeigen eindrücklich, wie die Verheißungen der Technik blind machen für ihre unkalkulierbaren Risiken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2013
Der Wirtschaftshistoriker Joachim Radkau und der Physiker Lothar Hahn beschreiben in ihrem Buch "Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft" die Entwicklung einer einstmals gefeierten Technologie zum gesellschaftlich verschrienen Risiko, berichtet Michael Bauchmüller. Die Geschichte umfasst gerade einmal fünfzig Jahre: vom ersten deutschen Schwerwasserreaktor, den eine Forschergruppe um Werner Heisenberg gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt, der aber nie in Betrieb genommen wurde, bis zum gegenwärtigen politischen Eiertanz um die Abschaltung der deutschen Meiler nach Fukushima, fasst der Rezensent zusammen. Die Autoren sparen nicht mit "Werturteilen und Ausrufezeichen", dafür aber leider mit ihren Quellenangaben, kritisiert Bauchmüller, der das Buch deshalb aber noch nicht abtut. Dafür findet er die historische Einordnung zu wichtig und kleine Details wie die Beschwerde RWE's beim Forschungsministerium über die unpraktischen Unsicherheiten des Genehmigungsverfahrens zu aufschlussreich.
Das Fazit von Joachim Radkau und Lothar Hahn ist denkbar einfach: die Kernkraftwerke müssen weg! Nach der Lektüre ihres Buches "Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft" ist die Rezensentin Tanja Busse ziemlich erleichtert, dass der Atomindustrie bald der Garaus gemacht wird. Die Autoren - Radkau ist Historiker, Hahn Kernenergie-Experte und ehemaliger Vorsitzender der Reaktorsicherheitskommission - erklären, unter welchen Umständen überhaupt Kernkraftwerke nach Deutschland kamen, wieso die riskanteren Leichtwasserreaktoren gebaut wurden, obwohl zuvor massig Geld in ein Karlsruher Forschungszentrum gesteckt wurde, das auch bereits sicherere Kraftwerke entwickelt hatte, fasst die Rezensentin zusammen. Abgesehen von weiteren potentiellen Katastrophen sehen Radkau und Hahn ein weiteres Problem: es mangelt an Atomreaktor-Ingenieuren für den Rückbau, berichtet Busse.
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